Der Lauf des Wassers

Die Trinkwassergewinnung in der Geschichte

Trinkwasser war in früheren Zeiten nicht selbstverständlich. Wer auf keine Quelle zurückgreifen konnte, musste Trinkwasser auf eine andere Art und Weise beschaffen. Im Mittelalter existierte in vielen Städten in der Praxis gar kein Trinkwasser, weshalb Frauen und Kinder Wasser abkochten und überwiegend Tee tranken. Männer griffen hingegen tagtäglich auf Alkohol zurück, welcher desinfizierend wirken sollte. Trinkwasser wurde in früheren Zeiten oftmals aus Brunnen gewonnen, in welchen sich sauberes Grundwasser befand. In Bergregionen wurden vor allem Flüsse und Seen als Trinkwasserquelle verwendet. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder neue Möglichkeiten zur Trinkwassergewinnung entdeckt.

Die heutige Trinkwassergewinnung

Trinkwasser wird heutzutage auf drei verschiedene Arten gewonnen. Zum einen aus Quellen und Brunnen, zum anderen aus Oberflächengewässern. Bei Brunnen wird eine Bohrung von acht bis zehn Metern vorgenommen und Grundwasser aus einer Tiefe von bis zu 400 Metern abgepumpt. Quellwasser ist Grundwasser, welches an der Erdoberfläche zutage tritt. Die Qualität von Quellwasser hängt davon ab, ob dieses aus oberflächennahem Wasser oder tieferen Erdschichten in die Quelle befördert wird. Oberflächennahes Wasser kann nicht nur Bakterien, sondern auch Mineralöle und Keime enthalten. Oberflächenwasser wird aus Flüssen und Seen abgepumpt: Dieses muss in einem aufwändigen Verfahren zu Trinkwasser aufbereitet werden.

Die Aufbereitung in Kläranlagen

Gewonnenes Grundwasser muss für eine Verwendung als Trinkwasser verschiedene physikalische und chemische Prozesse durchlaufen. Die Art der Wasseraufbereitung hängt von der Qualität des Rohwassers ab. Besonders häufig angewandte Verfahren sind Entgasung, Entsäuerung, Entmanganung, Enteisung, Filterung und Entcarbonisierung. Abwasser das in die Kanalisation gelangt wird in Kläranlagen aufbereitet. Die verunreinigten Bestandteile des Abwassers werden durch chemische, biologische und mechanische Prozesse entfernt. Beim Klärverfahren werden also dreistufige Reinigungsschritte vollzogen. Die erste Kläranlage nahm ihren Betrieb im Jahr 1882 in Frankfurt am Main auf.

Die verschiedenen Wassersorten

Neben dem Quellwasser und dem Trinkwasser existieren noch weitere Wassersorten, welche als Untergattungen des Trinkwassers anzusehen sind. Generell wird zwischen Trinkwasser, Mineralwasser, Quellwasser, Heilwasser, Tafelwasser und Biowasser unterschieden.

Trinkwasser muss "für den menschlichen Gebrauch" oder für "die Verwendung in Lebensmittelbetrieben" geeignet sein.

Mineralwasser ist Wasser, welches aus Quellen gewonnen und direkt vor Ort in Flaschen abgefüllt wird.

Quellwasser ist im Regelfall Regenwasser, welches durch kleine Spalten und Risse im Boden versickert ist und durch Sand, Gestein, Kies und Mikroorganismen gereinigt wurde.

Tafelwasser ist Mineralwasser oder Trinkwasser, welches mit Zusätzen wie Meerwasser, Kohlensäure, Natursole und Mineralsalzen versehen wurde.

Heilwasser ist reines Wasser, welches wissenschaftlich nachgewiesen heilende Wirkungen besitzt.

Biomineralwasser ist ein Wasser, welches bestimmte Qualitätskriterien erfüllt und eine entsprechende Zertifizierung vorweisen kann (mehr Infos unter www.bio-mineralwasser.de).

Umgangssprachlich wird unter Biowasser auch Wasser verstanden, welches ohne chemische Reinigungsverfahren gesäubert wurde. Biowasser wird durch das Prinzip der Umkehrosmose hergestellt: Das verschmutzte Wasser wird also mit viel Druck durch eine halbdurchlässige Membran gepresst. Auf der anderen Seite der Membran sammeln sich ausschließlich Wassermoleküle an, wodurch ein hochwertiges Trinkwasser gewonnen wird.

Wie wird Leitungswasser kontrolliert?

Nach einem Bericht der UNESCO landete Deutschland bei der Wasserqualität nur auf Platz 57 von 122. Dieses Ergebnis erscheint vor dem Hintergrund der zahlreichen, angeblich strengen Trinkwasserkontrollen in Deutschland fraglich. Um das Ergebnis zu verstehen, müssen die Kontrollverfahren für Trinkwasser in Deutschland untersucht werden. Der Wasserbedarf der Deutschen wird zu 75 Prozent aus Grundwasser gedeckt, 15 Prozent des Wassers stammt aus Quellen. Wasser wird generell nur auf seine Schadstoffe hin untersucht. Wenn ein Wasser die festgelegten Grenzwerte nicht überschreitet, kann dieses verkauft werden. Außerdem sind viele Stoffe wie Medikamentenrückstände und Hormone gar nicht von der Kontrolle umfasst. So werden die Hormone der Antibabypille nicht im Körper abgebaut und gelangen über Urin und das Abwassersystem direkt ins Trinkwasser. Die angeblich erstklassige Wasserqualität in Deutschland ist immer dann gegeben, wenn die Grenzwerte für bestimmte Stoffe nicht überschritten wurden. Dies bedeutet aber immer noch nicht, dass das Wasser nicht mit anderen Schadstoffen belastet ist.

Empfehlungen für den Wasserkauf

Welchen Qualitätsstandard ein Wasser hat, kann vom Laien nicht klar bestimmt werden. Grundsätzlich gilt, dass Wasser aus der Flasche im Regelfall sauberer ist als Trinkwasser: Schließlich muss dieses oftmals durch veraltete oder verdreckte Leitungen laufen. Die Qualität eines Wassers kann übrigens ziemlich genau von Wassersommeliers herausgeschmeckt werden: Diese schmecken neben dem Kohlensäuregehalt auch zahlreiche Inhaltsstoffe und verschiedene Verunreinigungen heraus.

C Mattes 9/12 SH