Interview Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V.

Im Interview mit Frau Dr. Lichtenberg-Kraag vom Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V. erfahren wir mehr über das älteste Süßungsmittel der Menschheit – dem Honig. 

brausezimt: In welchen Zeitspannen gibt es in Berlin/Brandenburg frische Honigsorten?
Frau Dr. Lichtenberg-Kraag: Die Zeit der Honigernte beginnt je nach Witterung Mitte bis Ende Mai und hört im Juli für die meisten Imker auf (meistens nach der Lindenblüte), an einigen Standorten können sicher auch noch spätere Trachten genutzt werden, die meistens dann einen höheren Honigtauanteil haben. Eine Ausnahme bilden hier auch noch Heidehonige, die meist erst im August/September geerntet werden können. 


brausezimt: Welche Qualitätsmerkmale kennzeichnen einen echten deutschen Bienenhonig?

Frau Dr. Lichtenberg-Kraag: Die Bezeichnung „Echter Deutscher Honig“ wird vom Deutschen Imkerbund mit Qualitätskriterien untersetzt (siehe www.Deutscherimkerbund.de).Grundsätzlich zeichnet einen deutschen Qualitätshonig Naturbelassenheit, Reife und die deutsche Herkunft aus. Grundlage ist die Honigverordnung und Richtlinien der verschiedenen Gütesiegel.


Naturbelassenheit heißt, dass der Honig nicht über einen längeren Zeitraum bzw. über 40°C erwärmt wurde. Der Nachweis wird über die Enzymaktivität (Invertase >64 U/kg) und den Gehalt an Hydroxymethylfurfural (<15mg/kg) erbracht.

Reife heißt, dass der Honig ausreichend durch die Bienen bearbeitet wurde und wird am niedrigen Wassergehalt (<18%), ausreichend abgebauter Saccharose (<5%) und aus
reichender Enzymaktivität (Invertase >64 U/kg) festgemacht.
 

Die pflanzliche Herkunft kann mit der Pollenanalyse festgestellt werden. Bei jedem Besuch einer Blüte bringt die Biene im Nektar auch Pollen mit, der dann im Honig zu finden ist. So kann man anhand des Pollenbildes feststellen von welchen Pflanzen der Honig stammt. Damit werden auch deutsche von ausländischen Honigen unterschieden. Teilweise lässt sich auch ein regional typisches Profil der Trachtpflanzen erstellen.


brausezimt: Und wann wird welche Sorte fest?
Frau Dr. Lichtenberg-Kraag: Die Kristallisation von Honig ist ein natürlicher Prozess und hängt vom Anteil der Glucose im Honig ab. Fructose und Glucose sind die 2 Hauptzucker im Honig (mind. 60% bei Blütenhonigen). Bei Rapshonigen z.B. liegt der Anteil von Glucose ebenso hoch oder höher als Fructose. Der Honig kristallisiert innerhalb von ca. 2 Wochen aus. Die für Brandenburg typischen Robinienhonige (fälschlicherweise meist „Akazienhonige“ genannt) müssen klarflüssig sein (gilt als sortentypisches Merkmal). Hier ist der Fructoseanteil ca. 1,6 x höher als der Glucosegehalt. Die meisten Honige unserer Region brauchen wenige Wochen bis zu einem halben Jahr um zu kristallisieren. Der Imker kann diesen Prozess etwas steuern, indem er den Honig vor dem Abfüllen rührt. Damit werden die Kristalle klein gehalten und der Honig feincremig.

 
brausezimt: Vielen Dank.