Mit dem Fahrrad von Bremen Richtung Berlin, 21.08.2017

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Eine Freundin fragte mich, ob ich Lust hätte mit ihr zusammen einmal um den Bodensee zu radeln. Na klar habe ich Lust und sagte zu. Nicht das ich der große Radfahrer wäre. Zur Übung trat ich ein paar Mal kräftig in die Pedale, alles kein Thema. Nun kam es, das meine Bremer Freundin Geburtstag feierte und ich entschloss mich eine Wegstrecke mit dem Rad als Trainigseinheit zu absolvieren. Die Rückfahrt sollte es sein, so hatte ich keinen Zeitpunkt, wann ich irgendwo ankommen muss. Für die Hinfahrt entschied ich mich für Flixbus. Auf bahn.de fand ich einfach nicht, wo ich mein Fahrrad hinzubuchen konnte. Bei Flixbus ist das sehr übersichtlich, der Preis war auch ok. In Hamburg musste ich umsteigen. Doch die Mitarbeiter waren sehr nett, holten mein verdrecktes Rad, ein Nachteil, wenn man bei Regen Bus fährt und das Rad draußen hängt, und packten es beim anderen Bus wieder hinten drauf. Das klappte super.

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Nach der Feier am Sonntag fuhr ich los. Die erste Fahrt sollte meine kürzeste Distanz werden. Als ich in Bremen startete, begann es nach drei Minuten zu nieseln, kurz später musste ich mein Cape rausholen. Nach einer Stunde war ich durch das Regengebiet durch und nach einer weiteren Stunde die Sachen wieder trocken. Ein bisschen kreuz und quer fuhr ich, ich brauchte bloss bis Hemslingen gelangen. Na klar war ich geschafft und meine Beine müde.

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Die Wümme und hier verläuft der Wümme Radweg

Am nächsten Tag ging es bis Uelzen. An den zwei ersten Tagen fuhr ich und fuhr und fühlte mich einfach gut. Ja, meine Beine waren die Anstrengung nicht gewöhnt und mein Hintern auch nicht. Dennoch war ich einfach glücklich. Es war das erste Mal, dass ich eine solche Tour fuhr und mir war es wichtig diese allein zu bewältigen. Da ich keine Erfahrungswerte hatte, fuhr ich viel zu schnell. Ich wollte unbedingt rechtzeitig bei den Unterkünften sein. Dadurch blieb viel unbeobachtet, Orte, an denen ich vorbeiradelte und nur dachte, ach wie nett, doch - keine Zeit. Ich nahm mir nicht einmal die Ruhe zum Fotografieren. Allein die Vorstellung den Apperat aus dem Gepäck zu holen und dort wieder zu verfrachten, war mir einfach zu anstrengend. Ich filmte ein bisschen, der Camcorder ist klein und handlich, den konnte ich über Stunden am Lenker halten. Ich vermisste eine Lenkradtasche, das wäre praktisch gewesen, auch für mein Kartenmaterial. Ich war super vorbereitet.

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Als ich am dritten Tag in Uelzen startete und aufs Rad stieg war alles anders. Meine Oberschenkel schrien mich an, ich wollte mich nicht auf den Sattel niedersetzen und irgendwie kam der Wind nur noch von vorne. Ich meine 100%ig gegen mich. Wenn ich einen Hügel hinabrollte, war da nicht viel mit Rollen. Den Berg runter treten musste ich. Und überhaupt. Was machten hier all diese nervigen Hügel? Bis Salzwedel quälte ich mich und dort aß ich Mittags pflichtbewusst ein Stück Baumkuchen. Was muss, das muss. Als ich im Restaurant in einen Spiegel schaute, bekam ich zusätzlich die Krise, bahnte sich ein Sonnenbrand an? Im Gesicht?? Meine Laune war nicht die beste als ich im Supermarkt Wasser kaufen wollte. Und dort verstand ich zum ersten Mal, warum es bereits in Stücke geschnittene Melone gibt - für die Radfahrer ohne Messer und sonstiger Ausrüstung. Die Melone rettete meinen Tag.

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Ich fuhr noch kurz aus Salzwedel raus bis ich zu einem Waldstückchen kam, ich brauchte Schatten. Dort futterte ich die Frucht und mir ging es besser. Irgendwann kam mir mein Tagesziel greifbar vor und ganz eigenartig, meine Beine wussten inzwischen was zu tun ist. Nach einer weiteren Pause in Arendsee wollte ich bis 18 Uhr in Werben sein und das habe ich hinbekommen.

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Aber geschafft war nicht nur die Strecke, ich war auch ziemlich fertig. Die Unterkunft gefiel mir ungemein gut, der Vermieter Herr Zwinzscher begrüßte mich mit seiner selbstgemachten Hollunderblütensaftschorle. Herrlich. Hier wollte ich zwei Nächte bleiben und mich ein bisschen erholen. Nur so viel, ein Tag Ruhe reichte mir nicht.  


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Werben ist die kleinste Hansestadt, die ich kenne und wirklich niedlich. Durch die Pause konnte ich endlich meinen Fotoapperat in die Hand nehmen.



Außerdem ist Werben eine Storchenstadt.

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Um von Werben nach Havelberg zu gelangen, kann man die Fähre in Räbel nehmen, die ganz gemächlich rübersetzt. In Havelberg fand ich ein nettes kleines Café, das Bilderbuchcafé.

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Am letzten Tag ging es Richtung Berlin. Das war mit Absicht von mir so formuliert worden. Bis Berlin wären es für einen Tag ziemlich viele km geworden und ich wollte realistisch bleiben. Ich wählte wieder Radwege bzw. wenig befahrene Straßen. Zum Nachmittag bin ich dann von meiner Route abgewichen und Richtung Norden gefahren, um auf die B5 zu gelangen. Dort wollte ich abgeholt werden. So fuhr ich bis kurz vor Nauen. Dort wartete ich an einer Bushaltestelle auf meine Mitfahrgelegenheit. Das klappte alles ausgezeichnet. Mir ging es ziemlich gut, nur meine Beine fühlten sich schwer und störrisch an.

Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, ob ich mich jetzt körperlich besser vorbereitet auf die Bodenseetour fühle. Was ich weiß, sollte das Wetter halbwegs mitspielen, das Rad gut rollen und ich gesund sein, dann werde ich jeden Tag meine Strecke schaffen. Unabhängig, wie ich mich fühle, einfach, weil ich es möchte. Letztendlich kommt es auf den eigenen Willen an.
 
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