Der Milchschafhof von Mathias Strauch in Streganz Berg, 06.03.2017

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Für einen Besuch in der Käserei war es zu früh, das wusste ich vorher. Dennoch bin ich los und zum Milchschafhof in Streganz Berg gefahren, einfach weil ich mir die kleinen, süßen Lämmer ansehen und steicheln wollte. Das habe ich getan. Ich glaube, Tiere tun uns Menschen gut. Nicht nur als Nahrung, sondern zum Anschauen, Hören, Fühlen. Das ist besonders entspannend, wenn man selber nicht für die Pflege verantwortlich ist.
Es gibt vier kleine Schafe, die nicht von ihrer Mutter mit Milch versorgt werden können und mit der Flasche aufgezogen werden. Diese sind auf Menschen geprägt und kennen keine Scheu, sind also richtige Knuddellämmer.




brausezimt Sie leben hier recht abgelegen.

Mathias Strauch Die alten Forsthäuser stehen eher im Wald und für uns ist das genau der richtige Abstand zu den Nachbarn. Es ist nicht nur die Geräuschkulisse. Ich bin auf dem Dorf großgeworden und die Weitläufigkeit fehlte mir in der Stadt.

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Wie kam es dazu, dass Sie jetzt einen Schafhof bewirtschaften?

Mathias Strauch Mit dem Gedanken in Richtung Landwirtschaft und zurück zum Dorf haben wir schon eine Weile gespielt. Irgendwann mussten wir unseren Traum einfach umsetzen, sonst glaubt einem ja keiner mehr. Immer nur über etwas zu reden, reichte nicht mehr. Wir recherchierten und fanden in der Umgebung vier oder fünf Ziegenhöfe. Einen sechsten wollten wir nicht eröffenen und entschieden uns für Ostfriesische Milchschafe. Auch ist der Geschmack der Schafsmilch, der Kuhmilch ähnlich

Und das kennen dann die Leute.

Nein, eben nicht. Die meisten denken Schafe und Ziegen sind das gleiche und sind dann überrascht, wenn sie bei uns Milch probieren - "Die schmeckt ja gar nicht so streng und fast wie Kuhmilch." Schafmilch hat keinen ausgeprägten Eigengeschmack.

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Mathias Strauch Die Ostfriesischen Milchschafe ist eine Schafrasse, die auf der roten Liste steht und vom Aussterben bedroht ist. Wir züchten diese Rasse, damit sie erhalten bleibt. Das setzt natürlich vorraus, dass wir sie nutzen. Wenn man weder Fleisch noch Milch verarbeitet, dann stirbt die Rasse über kurz oder lang aus. Und das möchten wir gerne verhindern. Im Augenblick haben wir ca. 50 Muttertiere, die kurz vor der Lammung stehen bzw. gerade abgelammt haben.

Die Tiere sind so zum Knuddeln. Ist es nicht komisch, dass die Schafe so zeitig im Jahr lammen und den Kleinen die Kälte nichts ausmacht?

Mathias Strauch Sie haben ja Wolle und sind gegen Kälte relativ imun. Es stört sie mehr, wenn es feucht ist. Sobald sie trocken sind, spielt die Kälte keine große Rolle mehr. Die Lämmer bleiben sechs Wochen bei den Müttern, das ist bei der Bio-Zertifizierung vorgeschrieben, aber das haben wir in den letzten Jahren sowieso so gemacht.

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Mathias Strauch Unsere Schafe lammen in einer speziellen Lammbuchte ab und sind dort ein paar Tage für sich. Dort prägen sie sich aufeinander und lernen die Stimmen gegenseitig kennen. Jedes Tier hat eine eigene Stimme und Stimmlage, die sich von anderen unterscheidet.
Nach drei oder vier Tagen kommen sie in eine Kleingruppe mit zwei oder drei anderen Müttern, um ihre Kumpel kennen zu lernen. Nach weiten drei, vier Tagen kommen sie dann in die Herde und haben sich bereits an andere Schafe gewöhnt. Damit die Jungen auch mal ungestört sein können, gibt es den Lämmerschlupf. Hier bekommen die Kleinen separat Futter und haben ihre Ruhe. Die Mütter passen nicht rein, die würden sonst alles wegfressen. Und so müssen sie draußen stehen und ihre Lämmer rufen. Die Jungen entscheiden selbst, ob sie dem Ruf folgen wollen oder nicht.

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Die Kleinen fressen gleich selbst?

Mathias Strauch Ja, die knabbern gleich los, zuerst spielerisch und das wird dann täglich ein bisschen mehr. Wenn sie nach sechs Wochen keine Muttermilch mehr bekommen, nehmen sie nur noch feste Nahrung zu sich.

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Nach sechs Wochen beginnen wir die Milch zu nehmen und zu Käse oder Joghurt zu verarbeiten. Anfang April werden wir den ersten Schafskäse, das ist dann Frischkäse, und Joghurt im Angebot haben. Und später dann auch Feta.

Sie verkaufen auch Felle.

Mathias Strauch Zuerst die Wolle und später, wenn die Tiere geschlachtet, sind auch Felle. Das Ostfriesische Milchschaf ist ein Dreinutzungstier: zum einen das Fleisch, zum zweiten die Milch und zum Dritten die Wolle. Wobei die Wolle mittlerweile nicht mehr die Rolle spielt im Vergleich zu früher. Im Moment verkaufen wir die Wolle als Rohwolle, meistens an Kleingärtner als Blumendünger. Andere basteln mit der Wolle. Aber hauptsächlich dient unsere Rohwolle als biologischer Dünger, der langsam verrottet.

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Ich habe ziemlich viele Schafe gestreichelt und wollte gar nicht los. Auf jeden Fall möchte ich etwas später, also im April, wieder vorbeischauen und die Käserei besuchen.

Vielen Dank an Mathias Strauch für die nette Führung.


Übrigens, wer nach Streganz Berg fahren möchte, sollte den Weg über Prieros nehmen und nicht über Streganz.
Kontakt
Milchschafhof Streganz Berg
Mathias Strauch

Streganz Berg 6
15754 Heidesee

Telefon 033 768 / 208 009
Mobil 0176 / 963 865 10

Internet www.milchschafhof-streganzberg.de

Öffnungszeiten
April bis Dezember Freitag 14 - 18 Uhr
April bis Dezember Samstag 11 - 18 Uhr

Sowie nach telefonischer Voranmeldung
 
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