Kochboxen im Abosystem ausprobiert mit Hello Fresh, 27.02.2017

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Meistens koche ich gern. Selten Ausgefallenes, exotisch sind ein paar Gewürze. Ich schaue was ich habe bzw. wonach mir gerade ist und dann fülle ich Töpfe und Pfannen. Mit Kochen mache ich mir das Leben nicht schwer. Rezepte dienen der Inspiration und nicht der Sklaverei. Kochen entspannt mich auch nicht, wie ich von anderen gehört habe. Es kann Spass machen. Machts aber nicht immer.

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Koch-Abos fand ich nie interessant. Es spricht einiges dagegen. Doch es gibt etwas, was dafür spricht: Bequemlichkeit. Und ja, bequem bin ich gerne mal. Es bedurfte der Überzeugung einer Freundin zumindest einmal ein Kochpaket selber auszuprobieren. Ich lief Hello Fresh über den Weg und ließ mich für einen Versuch mit diesem Anbieter ermuntern.

Eigentlich wollte ich vorher online nachsehen, was für die veranschlagte Woche geplant war, habe ich promt vergessen bis die Versandemail im Ordner lag. Na toll, was, wenn da jetzt Pilze drin liegen? Beim Öffnen des Pakets erst einmal Erleichterung - keine Pilze. Dann jedoch: Soja. Soja? Ich esse kein Soja.

Das erste Rezept: Taccos mit fruchtiger Tomaten-Salsa

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Das schmeckte mir nicht. Lag sicher an meinem Unmut über den Soja und an den Tomaten. Es ist Februar und einfach keine Tomatenzeit. Die geschickten waren hellrot und so glasig, wächsern. Ans Rezept habe ich mich gehalten, also fast. Soja kann man auch ersetzen.

Ärgerlich war die fehlende Gewürzmischung. Dennoch ist das genau ein Punkt, den ich an diesen Kochboxen befremdlich finde: es wird wirklich fast alles geschickt. Also kein Salz und Pfeffer, aber ansonsten alles in entsprechend kleinen Abpackungen - Paprikapulver in 1 g Tütchen. Das geht echt gar nicht und ist meine größte Abschreckung - der Müllberg ist riesig.



Das zweite Rezept jedoch gefiel allen gut: Putenbrustfilets mit Brokkolinigemüse

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Wenn jeder eine ordentliche Portion Appetit mitbringt, dann wird es eng. Wir haben die Töpfe ordentlich ausgekratzt. Vielleicht ist das ja gewollt.

Persönliche Vorlieben können natürlich wenig beachtet werden. Ich esse Fleisch, aber manche Sorten eher nicht. So kaufe ich kein Puten- und Schweinefleisch. Außerdem wurde mir bei der Bestellung gesagt, die meisten Sachen wären bio, nur das Fleisch nicht. Da finde ich ja, dann lieber kein Fleisch als Massentierhaltung zu unterstützen.

Das dritte Schweinestreifen in Porree-Paprika-Soße schmeckte uns auch gut.

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Ein komischer Gedanken - wieviele Menschen essen jetzt das Gleiche?

Die Idee, das viele Menschen genau das Gleiche essen wie ich jetzt auch, ist mir befremdlich. Vor allem bei dem Gedanken daran, dass sich der ein oder andere vielleicht genau an die Vorgaben hält und dann schmeckt es bei den Leuten auch noch gleich. Da wollen die Menschen so individuell sein und dann würzen sie mit geschickten Winztüten. Das schreckt mich ab.
Und so spricht neben der Verpackung, der Logistik auch die Gleichmacherei des Essens dagegen Koch-Abos zu nutzen.

Die Rezepte schienen mir nicht immer ausgereift. Wer nicht für zwei, sondern für vier Personen kocht, nimmt nicht zwangsläufig alles doppelt.

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Screen vom 01.03.2017 www.hellofresh.de - Unsere Philosophie

Wer es lästig findet, sich Gedanken um sein Essen zu machen oder den Einkauf als Mühsal betrachtet, für den wäre Hello FRESH auf jeden Fall einen Versuch wert.

Man soll 90 min Einkaufszeit sparen und erhält gleich sinnvolle Tipps, wie diese Zeit genutzt werden könnte (mit Kindern spielen, Buch lesen). Naja, im echten Leben bleibt man vielleicht eine halbe Stunde länger auf Arbeit oder vertut sich in den sozialen Medien. Es gibt so vieles, was uns hilft Zeit zu sparen, die Waschmaschine zum Beispiel, tolle Erfindung. Spart Zeit ohne Ende, wie auch Geschirrspüler oder Mixer, eigentlich müssten wir vor lauter Freizeit nicht ein noch aus wissen. Wir bauen unsere Lebensmittel nicht mehr selber an, halten keine Tiere, als Bauern wären wir zeitlich stark gebunden. Und jetzt sparen wir Freizeitjunkies sogar die Einkaufszeit. Irgendwie fühlt sich das schräg an. Die meisten Menschen hetzen durch den Tag und nein, ich denke nicht, dass das an den 90 min liegt, die wir in der Woche für den Einkauf benötigen sollen. Niemand rechnet mit der Zeitersparnis von mehreren Stunden in der Woche, die wir durch Waschmaschinen erfahren. Und so werden wir selbst im eigenen Leben zu Fachidioten erzogen. Andere übernehmen das Denken und Planen, sie beeinflussen sogar den persönlichen Geschmack.

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Es sammelt sich eine Menge Verpackungsmüll an.

Die Bequemlichkeit war schon immer ein Motivator für Erfindungen. Entscheidungen zu treffen, selbst triviale wie: was esse ich nächste Woche, kosten Energie. Und das Wissen, um diese menschliche Schwäche ermöglicht es Anbietern von Kochboxen auf wirtschaftlichen Erfolg zu spekulieren.

Auch wenn Hello Fresh viel zu wenig liefert, zumindest für vier Personen, wo vier eben nicht zwei Erwachsene und zwei Kinder unter fünf Jahren bedeutet, sondern vier erwachsene Menschen und zudem moralisch für mich nicht vertretbar ist, ist es praktisch. Und genau diese Ambivalenz macht mir kirre. Einerseits geht es gar nicht, andererseits ist es furchtbar bequem.

Mit dem Service von Hello Fresh war ich zufrieden. Dazu zählen die Ankündigung des Pakets, die Sendung selber und auch zumindest die Bemühung die Recycling Bilanz zu verbessern. Man kann die Isolationswolle und die Eispacks von mehreren Bestellungen sammeln und dann zurückschicken.
 
Nachtrag
Das Problem mit den Abos und warum ich zum Abschließen des Probe-Abos einer Ermunterung bedurfte - meistens verpasse ich die Kündigung. Als ich in der zweiten Woche eine Email mit der neuen Paketinfo erhielt, war ich nicht erfreut. Sogleich rief ich an und kündigte. Ich wurde nicht gefragt, warum. Wahrscheinlich trug meine Stimme einen gewissen Unterton. Am Telefon sprach ich mit einer netten Frau, wahrscheinlich die Hälfte meines Alters, die mich duzte. Ich fühle mich gerne jung, aber so jung nun auch wieder nicht. Als Kunde möchte ich etwas Distanz und Respekt. Vielleicht gehöre ich einfach nicht zur Zielgruppe.

Nun, das dritte Paket kam dann auch noch. Anscheinend war das mit der Kündigung etwas spät und ausgesetzt wurde die letzte Lieferung auch nicht. Das, finde ich, hätte die mich freundschaftlich duzende Frau doch anbieten sollen. Für mich ist das Ganze wieder eine Bestätigung, warum ich normalerweise Probeabos ablehne. Von dem günstigen Angebot ist nicht viel übrig geblieben, es kamen zwei weitere unerwünschte Abbuchungen dazu. Dafür wurden natürlich die Essenspakete geliefert, aber so toll finde ich das Prinzip nicht. Und ja, im letzten Paket befanden sich Pilze.
 
Kontakt
HelloFresh Deutschland
Dominik Richter und Markus Windisch

Saarbrücker Strasse 37a
10405 Berlin

Telefon 030 / 224 030 459
Email: kundenservice@hellofresh.de

Internet www.hellofresh.de
 
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