Das CAFEUM in Bremen mit Kaffeebohnen aus Manufakturröstereien, 24.01.2017

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Ins CAFÉUM trieb mich zum einen die Neugier, zum anderen die Kälte. Ich stiefelte zuvor bei frostigen Temperaturen durch das Schnoor und befinde mich nun im katholischen Zentrum Bremens, passenderweise in der Klosterkirchenstraße. Das erfahre ich durch Jürgen Wessels, er betreibt dieses Kaffeefachgeschäft und so passt der lateinische Name für Café besonders gut.


Jürgen Wessels in seinen Kaffeefachgeschäft in Bremen

Während ich einen Kaffee trinke, unterhalte ich mich mit Jürgen und lerne wieder einiges. Bremen, einstige bekannte Kaffeehauptstadt Deutschlands, ist immernoch stark im Kaffeegeschäft verankert. Die Anzahl der kleinen Manufakturröstereien ist zwar dramatisch zurückgegangen


brausezimt Seit wann gibt es Dich hier?

Jürgen Wessels Seit zwei Jahren, im März 2015 haben wir hier geöffnet. Der Laden ist Teil eines größeren Konzepts. Es steht eine Werkstatt für Siebträger-Espressomaschienen im Hintergrund. Zuerst waren es gewerbliche Kunden, jetzt durch das Geschäft kamen auch Haushaltsgeräte für Endkunden dazu. Wahrscheinlich bist Du nicht so richtig firm in der Kaffeeentwicklung?

Nein.

Jürgen Wessels Es wird heutzutage in Bezug auf Kaffee von der Third Wave Bewegung gesprochen. Es fokusiert sich auf das Kulturgut Kaffee. In der ersten Welle nach dem Krieg gab es ganz viele kleine Röstereien, die Leute tranken meistens Filterkaffee.

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Das habe ich doch gelesen, dass Bremen ganz viele kleine Röstereien hatte. Das fand ich beeindruckend.

Jürgen Wessels Ja, Bremen war Kaffeehauptstadt Deutschlands und hat nach wie vor noch viel mit Kaffee zu tun. Durch den Hafen fand hier der Hauptumschlag von Rohkaffee statt. Das hatte dann mit der Zweiten Welle zu tun, das war dann Entwicklung, Zentralisierung und Industriealisierung. In Bremen sind viele große Unternehmen ansäßig Eduscho, Jakobs, Kaffee Hag, früher Onko. Und jetzt findet die Dritte Welle statt, die Rückbesinnung auf guten Kaffee. Auch unter den Aspekten Fair Trade, Bio und Qualität. Das bedeutet auch kleine Plantagen, Langzeitröstverfahren und Zubereitungsformen. Hier gibt es eine Rückbesinnung auf den Filteraufguß, wobei es auch hier Weiterentwicklungen gibt

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Die Bilder an den Wänden wurden von Verena Brummer gemalt und stehen zum Verkauf.

Es das dann besonders gut oder einfach nur retro.

Jürgen Wessels Das ist schon sehr gut, aber auch aufwendig. Manchmal sind diese Aufbrühverfahren eher was für Liebhaber. Bei der Kaffeezubereitung gibt es verschiedene Normen wie den Mahlgrad, die beachtet werden sollten. Beim Espresso spielt der Druck und Gegendruck eine Rolle, hier sind 9 bar die Norm. Ist man darunter, läuft das Wasser zu schnell durch, dann ist das Pulver zu grob gemahlen. Läuft das Wasser hingegen langsamer hindurch, bei mehr als 9 bar, ist das Kaffeemehl zu fein und der Gegendruck zu groß, dann verbrennt das Pulver. Beim Filterkaffee hingegen ist es wie früher, da kann man auch nichts verbessern. Die beste Art Kaffee zu machen, ist ihn pur aufzugießen, durch einen Filter.

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Den Kaffee, den Du hier vertreibst, kommt aus Bremen?

Jürgen Wessels Ja aus Bremen und Umland. Da gibt es zum einen FABER BREMEN Das war ein bekanntes Familienunternehmen, welches bis in die 60er Jahre geröstet hat. Dann kam 2013 das Unternehmen Cross Coffee und begann auf dem Gelände wieder zu Rösten. Die Familie Faber holte zwei alte Rezepte heraus und diese Kaffees werden wieder wie früher geröstet. Das ist sozusagen eine Bremensie.

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Eine was?

Jürgen Wessels Bremensie, das gehört einfach zu Bremen dazu, ein original Bremisches Produkt.

Aha.

Jürgen Wessels So wie die Bremer Stadtmusikanten. 

Ah, gut. Das ist cool.

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Jürgen Wessels Ja, der Inhaber von Cross Coffee, Oliver Kriegsch, kommt aus der industriellen Kaffeebranche und entschied sich bewusst für die Manufakturrösterei. Er röstet auch für andere bzw. lässt diese selber rösten und gibt dabei sein Wissen weiter.

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So gibt es KOMODO COFFEE und La Molienda, beides Familienunternehmen, die ihren Rohkaffee direkt aus den Herkunftsländern beziehen von kleinen Plantagen. Sie haben selber keine eigene Rösterei.

Wie funktioniert das?

Jürgen Wessels La Molienda ist ein Paar, das bezieht über familiäre Beziehungen seinen Kaffee direkt aus Kolumbien. Sie kommt ursprünglich aus Polen und er ist gebürtiger Kolumbianer.

Das ist spannend. Eigenartig, dass bei so tollen Kaffees, Menschen, die seit Jahren, Jahrzehnten ihren Industriekaffee trinken nicht mehr davon wegbekommt.

Jürgen Wessels Die Macht der Gewohnheit.

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Ist wohl so. Welche Röstereien hast Du noch im Angebot?

Jürgen Wessels Da gibt es Utamtsi. Der Kaffee wird in Kamerun angebaut. Die Firma haben zwei Studenten aufgebaut, ein Kameruner und ein Deutscher. Sie sind lokal auch in vielen Bio-Läden anzutreffen. Dort wird mehr als nur Kaffee verkauft, sie haben auch einen sozialen Auftrag. In Bremen arbeiten sie mit sozialen und Behindertenwerkstätten zusammen. In Kamerun läuft ein Frauenprojekt und Schulungszentrum. Sie bieten auch Bildungsreisen an, wo man sich das vor Ort angucken kann. Hier steht das Nachhaltigkeitsprinzip im Vordergrund. Utamtsi hat eine eigene Rösterei.

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Als letztes gibt es CATUCHO. Das sind Mutter und Tochter Eckhardt. Ulrike ging in den 80er Jahren nach Lateinamerika und begann dort lebend auf Plantagen zu arbeiten. CATUCHO bietet den Waldkaffee an. Sie sind die einzigen, die diesen Kaffee importieren. Es werden nur kleine Mengen geerntet und hier bestehen langjährige Beziehungen. Der Kaffee wird per Hand in der Plantage im Wald geerntet, das ist eine Mischkultur, und ist entsprechend kostspielig.

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CATUCHO betreibt einen Hofladen und einmal im Monat findet dort ein Kulturcafé statt. Da ist es richtig nett.

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Herzlichen Dank an Jürgen für die vielen Informationen und das nette Gespräch. Er empfahl mir auch den Münchhausen Kaffee. Ich habe es dort nicht mehr hingeschaft, aber die Internetseite fand ich ansprechend.
 
Kontakte
 
Cafeum Plantage-E
Jürgen Wessels

Klosterkirchenstrasse 5
28195 Bremen

Telefon 0421 / 566 27 188
Email info_at:_plantage-e.de

Internet www.plantage-e.de
www.facebook.com/cafeumplantage

Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstags 11 - 18 Uhr
Samstag 11 - 18 Uhr
Kaffeerösterei August Münchhausen
Münchhausen-Prüße und Michael Prüße

Geeren 24
28195 Bremen

Telefon 0421 / 12 100
Email info_at_muenchhausen-kaffee.de

Internet www.muenchhausen-kaffee.de


Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 10 - 12.30 Uhr
 
Rösterei CATUCHO
Ulrike und Laura Eckhardt

An den Eichen 9
27333 Bücken

Telefon 042 51 / 6720 418
Email catucho_at_catucho.de

Internet www.catucho.de

Öffnungszeiten
Montag 15 - 18 Uhr
Freitag  10 - 18 Uhr
La Molienda
Adrianna Trzeszczkowska-Trujillo

Würzburgerstr. 2
26121 Oldenburg

Telefon 0176 / 232 75 815
Email adrianna_at_lamolienda.de

Internet www.lamolienda.de

Öffnungszeiten
Freitag   17 - 19 Uhr
Samstag 10 - 12 Uhr
UTAMTSI
Morin Kamga Fobissie und Stephan Frost

Rösterei
Worphauser Landstraße 55
28865 Lilienthal

Telefon 04208 / 919 84 57
Email info_at_utamtsi.com

Internet www.utamtsi.com
Komodo Experiences
Andreas Elfert


Gastfeldstraße 46
28201 Bremen

Telefon 0176 / 232 74 083
Email contact_at_komodo-coffee.com

Internet www.komodo-coffee.com
FABER-BREMEN
Oliver Kriegsch

Use Akschen 91
28237 Bremen

Telefon 0421 / 79 49 590
Email info_at_faber-bremen.de

Internet www.faber-bremen.de
Cross Coffee
Oliver Kriegsch

Use  Akschen 91
28237 Bremen

Telefon 0421 / 79 49 590
Email info_at_crosscoffee.de

Internet www.crosscoffee.de

 
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