Ein Spaziergang in Fischerhude und ein Besuch im Keramikatelier Claudia Craemer, 21.01.2017

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Fischerhude ist ein ganz zauberhafter Ausflugsort unweit von Bremen. Hier gibt es seit 1991 das Keramikatelier von Claudia Craemer und mit ihr kamen wir ins Gespräch.

Fischerhude hat ja etwas ganz beschauliches.

Claudia Craemer Ja, dieser Ort lag immer etwas versteckt. 1908 zog Modersohn nach Fischerhude und in den 20er Jahren zogen einige Künstler aus dem trubeligen Worpswede hierher, weil es einfach idyllischer war.

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Wie konnte diese entspannte Atmosphäre beibehalten werden?

Claudia Craemer Fischerhude liegt abgeschnitten im Wümmedelta. Hier gab es bis 1920 es keine Brücken, sondern nur Furten. Im Winter war die Wümme grundsätzlich überschwemmt und die Leute hatten nasse Füsse. Dafür besaß jeder große Hof einen Zugang zur Wümme, ähnlich wie im Spreewald.
Durch die Abgeschiedenheit blieb Fischerhude etwas kuscheliges. Vor 20 Jahren waren hier noch überall Kuhställe, die jetzt Cafés oder Lädchen sind. Die Kühe zogen raus und stehen in großen neuen Ställen außerhalb.

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Dieser Gegensatz fällt sofort auf: zum einen die zarten, feinen Porzellantassen und Geschirrteile und zum anderen die wuchtigen, groben Raku-Keramiken. Zudem lässt der Rakubrand die Objekte wie aus Metall wirken.

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Wie sind Sie auf die Brenntechnik Raku gekommen?

Claudia Craemer Früher habe ich sehr viel Steinzeug gemacht. Wissen Sie was Steinzeug ist?

Nein.

Claudia Craemer Steinzeug ist ein Ton, der kurz vor dem Porzellan ist. Ganz dicht und hochwertig. Doch irgendwann brauchte ich etwas Neues. Ich bin viel unterwegs gewesen und habe die Eindrücke der Reisen mit in die Werkstatt genommen. Hier konnte ich neue Formen schaffen.

Das Boot ist mein erster Rakubrand. Es ist eine Symbol des Reisens, nicht nur des Herumkommens, sondern auch des Reisens im Geiste. Ganz archaisch und weil es so archaisch war, suchte ich eine passende Oberfläche und bin aufs Rakubrennen gekommen.

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Wie läuft die Herstellung der Rakukeramiken ab?

Claudia Craemer Die Formen werden aus weißem Ton hergestellt. Nach dem Trocknen werden sie einmal bei 1.000 Grad über 24 Stunden gebrannt. Dann sind sie fest und lösen sich nicht mehr im Wasser auf. Dann werden die Stücke glasiert und sehen alle schwarz aus. Der gasbefeuerte Ofen steht im Garten, dort werden die Werke über drei, vier Stunden auf über 1.000 Grad erhitzt. Dann öffne ich den heißen Ofen und entnehme mit einer Zange die glühenden Teile und setze sie in einen Metallbehälter mit organischen Material, meistens sind das Sägespäne. Dann kommt ein Deckel drauf, die Späne brennen und es raucht. Die Oberflächen der Keramiken werden auf diese Weise bearbeitet.

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Das heißt Sie können den Ausgang gar nicht beeinflussen?

Nein, man weiß nie was rauskommt. Jedes Stück ist unwiederholbar anders. Niemals gibt es zwei gleiche Stücke. Das Feuer malt. Das kommt aus dem Zen, einen Teil überlässt man den Elementen für ihr Spiel. Natürlich muss man Erfahrungen sammeln, wann nehme ich die Stücke raus, was für Holz nehme ich, wie schichte ich es, wie ist das Verhältnis von Sauerstoff und Material. Doch ich weiß nicht, ob die Farben rot, braun oder golden werden.

Man muss viel arbeiten, um gute Stücke zu erhalten. Während man eine Menge herstellt, bekommt man ein Gespür und dann wird es gut. Mal eben so ein Stück herstellen und das soll es jetzt sein, das wird nichts.

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Wir bekommen den Rat das Otto Modersohn Museum zu besuchen, das sei wirklich sehenswert. Das nehmen wir uns vor, jedoch, es gibt viel zu besprechen bei Kuchen und Tee im Puppencafé und dann sind die Öffnungszeiten fast um. Somit haben wir einen guten Grund wiederzukommen und den Museumsbesuch nachzuholen.

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Vielen Dank an Claudia Craemer, wir haben viel bei unserem Gespräch gelernt.
Kontakt
Keramikatelier Craemer
Claudia Craemer

Im Krummen Ort 4
28870 Fischerhude

Telefon 042 93 / 1460
 
Öffnungszeiten
Montag bis Samstag   14 - 18 Uhr

und nach Vereinbarung
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