Handgearbeitete Regenschirme sind Liebhaberstücke, Schirmmacher Lippke aus Berlin, 11.07.2016

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Ein Gespräch mit Herrn Lippke zu finden, war gar nicht so einfach. Es gibt Zeiten, da ist einfach zu viel zu erledigen und das am besten auf einmal. Rolf Lippke meinte dazu: "Die Schirme, die fertig sind und wo ich anrufe "Kommen Sie Ihren Schirm holen", die warten noch lange. Aber bei den Schirmen, wo ich noch etwas brauche, die Leute kommen."
Als ich das hörte, musste ich lachen. Ja, manchmal ist es wohl so.

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Schirmmacher Rolf Lippke

Was braucht ein Schirmmacher?

Rolf Lippke Handwerkliches Geschick und logisches Denken, damit man erkennt wie lang muss was gefertigt werden. Man sollte sich hineinversetzen können und wissen wie ein Schirm funktioniert. Der Stoff wird in Dreiecken zugeschnitten und soll am Ende ein einheitliches Bild ergeben. Dieser Arbeitsschritt bedarf einiger Erfahrungen eh man den Dreh raus hat, besonders schwierig ist es bei Mustern.

Wieviele Stoffteile benötigt werden, hängt vom Schirm ab. Es gibt 10teilige, die sind besser als die mit acht Teilen. Je mehr Teile ein Schirm hat, desto stabiler.

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Wie stellen Sie Ihre eigenen Schirme her?

Rolf Lippke Das Gestell fertige ich hier selber an und meine Mutter schneidet zu. Danach vernähe ich die Teile und anschließend baue ich den Schirm zusammen.

Sie verkaufen auch Schirme anderer Hersteller in Ihrem Geschäft.

Rolf Lippke  Ja natürlich. In Deutschland gibt es leider keine vorproduzierende Fabriken mehr. Schauen Sie, dieser Pagodenschirm kommt aus Frankreich. Der Schwung ist ganz typisch französisch. Das könnte ich gar nicht herstellen. Eine entsprechende Maschine besitze ich nicht. In Frankreich gibt es noch zwei, drei Fabriken. In Deutschland existieren noch einzelne Schirmmacher, aber keine größeren Schirmfabriken.

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Auf was legen Ihre Kunden wert, wenn Sie einen Schirm in Auftrag geben.

Rolf Lippke Männer wollen stabile Schirme, Frauen eher einen kleinen, leichten.

Wer lässt sich eher einen Schirm bauen?

Rolf Lippke Männer. Und wenn Frauen den Auftrag geben, dann meist für ihre Ehemänner.

Da es keine Großabnehmer mehr gibt, schränkten die Lieferanten entsprechend ihr Angebot ein bzw. die Produktion wurde komplett nach China ausgelagert. Und das macht es mitunter schwer an Regenschirmstoffen zu gelangen, besonders, wenn man wie Schirmmacher Lippke nur kleine Mengen abnehmen möchte. Das geht mitunter gar nicht mehr.

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Das meiste was reinkommt, sind Reparaturen. Manchmal lohnt sich der Aufwand kaum, doch wenn ein Schirm eine besondere Erinnerung wachruft, nimmt sich Rolf Lippke seiner an, bezieht den Stoff neu oder tauscht eine kaputte Felge aus.

Sie sind mit Ihrem Geschäft von Dresden nach Berlin gezogen. Was ist anders in der Hauptstadt?

Die Berliner sind umgänglich und beschweren sich kaum. Das war in Dresden anders, da war den Kunden alles zu teuer. Hier sind die Leute dankbar, dass es mich gibt und ich erfahre eine Anerkennung als Schirmmacher.

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Der Ausbildungsberuf des Schirmmachers wurde gestrichen, wer also sehen möchte wie ein Schirm in Handarbeit hergestellt wird, sollte sich beeilen. Noch gibt es praktizierende Schirmmacher, bei denen man in die Werkstatt schauen kann. Wer weiß wie lange noch.



Der orangene Schirm ist ein alter DDR-Kinderschirm.

Ganz herzlichen Dank an Rolf Lippke für das unterhaltsame Gespräch.
 
Kontakt
Rolf Lippke, Schirmmacher

Transvaalstr. 46
13351 Berlin

Telefon 030 / 45 15 989
Mobil 0177 / 734 26 87

Internet www.schirmmitcharme.de
 

Öffnungszeiten
 
Montag bis Donnerstag 10 Uhr bis 18 Uhr

 
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