slow photography in Berlin, wenn Langsamkeit auf Persönlichkeit trifft, 12.10.2015

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Es ist schwer heutzutage noch etwas Ungewöhnliches, Besonderes zu finden. Manche suchen im Detail, in der Fremde und andere in der Vergangenheit. Digitale Fotografie scheint ein Massenphänomen zu sein. Fast jeder besitzt einen Apparat, und wenn es ein Smartphone ist, hält Momente fest, und ruckzuck - das Foto ist gemacht. Das war vor 100 Jahren noch eine ganz andere Kiste. Eine recht große nämlich.

Slow Photography Berlin



Oleg Farynyuk traf ich in seinem Atelier am Teutoburger Platz wo er mir den Vorgang der slow fotografie genau erklärte.

Man kann verschiedene Materialien als Trägermaterial nutzen, Oleg entschied sich für helles, durchsichtiges Glas. Vor der eigentlichen Belichtung wird der Vorgang des Fotografierens in Handarbeit vorbereitet.


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brausezimt Wie genau funktioniert die slow-fotography mit dem Glas?

Oleg Farynyuk Das Glas wird zuerst gewaschen und getrocknet. Mit dem Gemisch aus je ein Drittel  Kreide, Spiritus und Wasser wird die Platte poliert. Die Ränder der Platte werden mit Eiweiss eingestrichen. Nachdem die Kollodiumlösung auf die Platte gegossen wurde, stellt man  das Glas  in eine Silberbadlösung .
Wie genau was wann passiert, das muss man mit der Zeit lernen. Ich habe mir das selber beigebracht und etwa ein halbes Jahr gebraucht.
Wer diese Art der Fotografie lernen möchte, dem empfehle ich einen Workshop. Das spart eine Menge Zeit und Geld.

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Solche Workshops werden in Berlin angeboten?

Oleg Farynyuk Ja, diese Kurse gibt es. Ich biete das aber nicht an.

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Die vorbereitete Glasplatte sieht nach dem Silberbad milchig aus und wird für die Belichtung in die Kamera gelegt und fixiert. Dann wird das Bild aufgenommen und man geht in die Dunkelkammer. Jetzt kommt noch Entwickler und Fixage ins Spiel.

Oleg Farynyuk Abzüge mache ich nicht. Das dauert lange und würde die Kosten zu sehr in die Höhe treiben. Ich scanne den Abzug und drucke sehr hochwertige Fotos aus.

Das ist ja ungewöhnlich. Eine Kombination aus einem ganz alten Verfahren mit neuen Technologien.

Oleg Farynyuk Auf jeden Fall. Es ist faszinierend die Entwicklung eines Bildes zu verfolgen und die Entstehung mitzuerleben. Auch für die Kunden ist das ein Erlebnis.

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Oleg Farynyuk Es ist wie im Leben. Licht braucht Dunkelheit. Es ist die Ungewißheit, man kennt nicht das Ergebnis. Es geht recht schnell und wird deswegen Polaroid des 19. Jahrhunderts genannt. Mh, sofort bedeutet hier etwa 40 Minuten. Man hat unmittelbar ein Ergebnis. Wenn man alle Schritte gegangen ist, dann macht das Resultat einen glücklich.

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Oleg Farynyuk Man erlebt jedes Bild mit allen Sinnen. Man kann es riechen, sehen, anfassen, das ist Wahnsinn. Der Kunde kann bei allen Schritten dabei sein.

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Ein Blick durch die Linse und die Welt steht Kopf

Oleg Farynyuk Die Kamera hat 1 Iso. Deshalb bracht man sehr viel Licht. Die Person muss je nach Position und Abstand bis zu 20, 30 Sekunden still sitzen. Und dafür braucht man einen Kopfhalter. Eine gewisse Unschärfe entsteht durch die sich bewegende Gesichtsmuskulatur. Das gibt einen gewissen Touch und lässt den Porträtierten weicher wirken.  Aber die Augen sollten scharf sein.
Manchmal blitze ich auch. Bei Gruppenaufnahmen ist es sonst schwierig. Aber ich mag die 30 Sekunden Belichtungszeit, die Gesichter sind anders, die Augen. Es ist wie Seelen fangen. Es kann sein, dass in den 30 Sekunden eine Emotion hochkommt - womit man nicht gerechnet hat. Das macht es so unvorhersehbar und spannend.

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Fotografierst du eigentlich noch hobbymäßig?

Oleg Farynyuk Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Das Fotografieren in meiner Freizeit hat nachgelassen. Nein, ich bin kein Hobbyfotograf.

Seit zwei Jahren lichtet Oleg hier in der Christinenstraße seine Kunden ab. Diese Art der Fotografie ist eine Nische in der Nische. Die Bildentwicklung besitzt noch die Aura von Handwerk und Kunst. Die Bilder sind einmalige Aufnahmen, die die Persönlichkeit spiegeln.

Herzlichen Dank für die Führung und die vielen Informationen. Das erste Bild im Blog ist von Oleg Farynyuk.

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Kontakt
Oleg Farynyuk

Christinenstr. 15
10119 Berlin
 
Telefon 0152 / 17 5500 74
Email fara77_at_gmx.de

Internet www.slow-photography-berlin.com

 
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