Ein Gespräch mit Frau Dr. Raschinsky über richtig gute Marmelade, 23.04.2015

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Der Industriesalon in Schöneweide ist ein Ort im Umbruch. Hier vor dem Café Schöneweile sitze ich im frühlingshaften Sonnenschein, das Vogelgezwitscher im Hintergrund und spreche mit Dr. Karin Raschinsky. Kennengelernt haben wir uns über das Marmeladen-Casting® 2014 auf der Grünen Woche. Über ihre Agentur PR:Teime widmet sie sich dem Handwerk. Karin Raschinsky ist Marketingexpertin und Trainerin für das Handwerk. Zum einen produziert sie besonders viele Ideen für das Bäcker-, Konditoren- und Fleischerhandwerk.  Dabei hat sie ein klares Ziel: Image und Umsatz zu fördern. Und zum anderen trainiert sie in ihrem „Konsequenz-Seminar“ Mitarbeiter, Inhaber und Chefs verschiedener Gewerke.

Handwerk hat für Karin Raschinsky nach wie vor goldenen Boden.

Bei einer Tasse Kaffee kommen wir ins Gespräch.

Dr. Karin Raschinsky Wissen Sie, ich hatte schon immer ein Faible fürs Handwerk.

brausezimt Was genau gefällt Ihnen am Handwerk?
Die Bodenständigkeit, die Flexibilität und die kurzen Entscheidungswege. Es ist so, Gedanken materialisieren sich. Es ist daher wichtig Ideen eine Struktur zu geben. Man kann tausend Einfälle haben, wenn man eine Vision nicht strukturieren kann, dann können Sie alles vergessen. Im Handwerk erhält man sofort eine Rückmeldung, ob eine Maßnahme durchgeführt wird oder nicht. Im Handwerk muss immer alles konkret benannt werden, ohne Geschwafel. Und genau das ist mein Metier: nicht labern – handeln!

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Seit wann helfen Sie handwerklichen Betrieben?
Am ersten Juli werde ich seit 20 Jahren selbstständig sein. In dieser Zeit ist viel passiert. Meine Erfahrungen, mein Wissen, das ist mein Kapital. Beim Aufbau meiner Selbständigkeit war ich in erster Linie PR-Frau für ganz verschiedene handwerkliche Branchen. Der Schwerpunkt der Pressearbeit verschob sich. Da sich die Medienlandschaft in Berlin änderte, waren Informationen über handwerkliche Ereignisse immer schwieriger unterzubringen. Ich konzentrierte mich auf das Marketing. Jetzt bin ich als Ideenproduzentin für verschiedene Handwerksbranchen und Betriebe, auch für den Einzelhandel unterwegs.

Was genau ist Ihre Aufgabe?
Ich unterstütze Handwerksbetriebe. Ich arbeite an Vernetzungen der Firmen in der Region und wo möglich auch überregional.Wenn ich in einem Betrieb nach dem Alleinstellungsmerkmal frage, bekomme ich meistens ein Augenrollen. Dabei haben die handwerklichen Betriebe alle eins. Doch viele sind betriebsblind. Da komme ich ins Spiel.
Dabei lerne ich immer wieder Situationen kennen, wo ich eine tolle Idee strukturiert habe und was passiert? Nichts! Es geschieht nichts in dem Betrieb mit der Begründung: es gäbe Wichtigeres! Aber, gibt es Wichtigeres für einen Betrieb als Umsatz zu realisieren? Verrückt – oder?

Da müssen Sie sich die Leute erziehen.
Ja, so in etwa. Vor zwei Jahren begann ich deswegen mit Coachings. Wie stehen Chefs zu ihren Angestellten, was trauen sie ihnen zu, wie reden sie miteinander, wie konsequent sind sie. Das sind, unter anderem, Themen bei der Zusammenarbeit.

Wie kam es zum MarmeladenCasting?
Das MarmeladenCasting gibt es seit 2002. Das habe ich als Hausfrauenwettbewerb konzipiert. 2010 entwickelte ich das Konzept weiter. Es wurde ein Testmodell zusammen mit Experten erschaffen und der Wettbewerb in professionell hergestellte Marmelade und in Hobbymarmeladenköche unterteilt. Die Profis unterstütze ich weiter, denn das kann ich.

Es ist ungemein wichtig, Ideenförderer zu haben. Ich hatte das Glück.

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Professionelle Marmeladenköche, das sind meist kleine Manufakturen. Was untersuchen Sie?
Es gibt Profis, die meinen, weil die Marmelade den Kunden schmeckt, muss es gut sein. Das ist nicht so. Beim Marmeladen-Casting nehmen wir den optischen Eindruck auf, die Konsistenz und das Wichtigste ist der Geschmack. Dabei stellen wir immer wieder handwerkliche Fehler fest

Manche Marmeladen sind einfach zu dünn. Ein Aufstrich darf keine Suppe sein.
Bei manchen Produkten befindet sich z.B. nach dem Aufschrauben Wasser auf der Oberfläche. Andere haben einen unansehnlichen Anblick, das Produkt klebt am Deckel etc. Einige Profis argumentieren, das wäre ein Naturprodukt und muss so sein. Das ist aber ein Argument bei dem sich die Profis selbst ins „Aus“ katapultieren. Denn sehr oft finden bei diesen Mängeln die Experten handfeste handwerkliche Kochfehler. Die Etikettierung wird ebenfalls sehr genau geprüft. Denn die gesetzlichen Bestimmungen müssen auch von den Manufakturen eingehalten werden

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Geschmäcker sind verschieden, sicher. Dennoch, süß ist nicht relativ. Sehr süße Marmeladen bekommen einen Abzug. Oder wenn es so viele Komponenten in einem Fruchtaufstrich gibt, dass man gar nichts mehr rausschmecken kann. Manchmal ist eine Zutat wie Ingwer so dominant, dass die Grundzutat nicht hervorkommt. Oder es kommt zu einem Vorgelieren, dann trennt sich der Fruchtaufstrich bereits im Glas.

Die Zeit des Experimentieren ist die Zeit des Lernens.

Diese Fehler können wir aufzeigen. Dabei stellen wir fest, dass nicht jede Manufaktur an einer Verbesserung interessiert ist.

Wie kommt das?
Das sind sehr oft Hersteller, die sich zu wenig mit den Produktionsprozessen auseinandersetzen und schusselig nach dem Motto arbeiten - Geht schon. Es sind aber auch Existenzgründer darunter, die fast nur auf dem Markt verkaufen. Auf die Märkte angewiesen sind, um schlichtweg Geld zu verdienen. Dabei bleibt dann wenig Zeit einen Fahrplan für die Produktion zu entwerfen.
Das Testsiegel hätte mancher Produzent gerne, eine Änderung wollen sie jedoch nicht vornehmen. Aber der Kunde ist doch nicht doof. Jeder möchte ein exellentes Produkt kaufen, gerade wenn man mit dem Handwerk und mit der Sortenvielfalt wirbt.

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Ist es nicht typisch für Handarbeit, dass ein Produkt nie gleich wird - im Gegensatz zu Supermarktprodukten?
Es ist doch das Ziel einer Manufaktur, ganz charakteristische Geschmackseindrücke zu liefern. Für meine Begriffe kann diese Vielfalt einmaliger Sorten nur das Handwerk liefern. Auch das Marmeladenhandwerk steht für Individualität. Und das heisst nicht, dass alles gleich aussehen muss. Es geht um die Herausstellung eines wertvollen einzigartigen Fruchtgeschmacks, um eine streichfähige Konsistenz und auch um ein angenehmes Äußeres. Das Handwerk muss Experimente wagen und Individualität anbieten. Damit erhalten sich die Manufakturen eine Marktnische.

Eine handwerkliche Manufaktur muss ganz viel Erfahrung mitbringen damit der Geschmack rauskommt und nicht die Süße.

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Vielen Dank für das informative Gespräch.
 
Kontakt
PR:Teime
Dr. Karin Raschinsky


Kilianistrasse 8
12459 Berlin

Telefon 030 / 530 14 518
E-Mail info_at_marmeladen-casting.de

Internet www.berlin-isst-gut.com und www.marmeladen-casting.de
 
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