Die Märkische Agrargenossenschaft in Mittenwalde mit Hofladen in Zeesen, 12.03.2015

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In Zeesen gibt es den mag-Hofladen der Märkischen Agrargenossenschaft, kurz MAG. Dieser wurde neu ausgebaut, renoviert und mit einem breiteren Sortiment versehen.

Dort traf ich Vera Schmidt von der MAG zum Gespräch.


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brausezimt Die MAG hat 65 Mitglieder, ist es da nicht schwierig zu entscheiden was angebaut wird?

MAG, Vera Schmidt Das läuft nicht über die Mitglieder. Es gibt einen Anbauplan und Fruchtfolgen, die eingehalten werden müssen. Dafür haben wir einen verantwortlichen Mitarbeiter. Mit den Leitern zusammen wird abgestimmt und entsprechend der vorhandenen Flächen festgelegt wieviel Hecktar Getreide, Futter und Kartoffeln angebaut werden.

Und wenn ein Mitglied eine Idee hat und diese einbringen möchte?

MAG, Vera Schmidt Sofern die Idee umsetzbar ist, sind wir offen für Vorschläge. Einmal im Jahr führen wir eine Jahreshauptversammlung durch und natürlich können dort Anregungen gegeben werden. Über bestimmte Beschlüsse wird gemeinsam abgestimmt.
Doch meistens kommen Vorschläge aus den eigenen Reihen, z.B. wenn Mitarbeiter bemerken, dass die Futtermittel für die Kühe zu teuer werden und ob wir dieses nicht selbst anbauen können. Das versuchen wir so weit es geht. Das ist wichtig zum einen aus Kostengründen und zum anderen, weil wir so wissen was im Futter ist. Mais- und Grassilage, Heu stellen wir selbst für unsere Tiere her. Bestimmtes Mineralfutter müssen wir dazu kaufen, das ist in der Produktion zu speziell.

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Wenn ich als Kunde einkaufen gehe, dann denke ich, die MAG baut hauptsächlich Kartoffeln und Zwiebeln an.

MAG, Vera Schmidt Ja das ist auch so. Für den Lebensmittelkunden sind es Kartoffeln und Zwiebeln. Für die, die noch Tiere haben, sind es unsere eigenen Futtermittel wie Getreide. Futterweizen wird viel gekauft.

Wenn Sie die MAG insgesamt betrachten, wo liegt Ihr Schwerpunkt?

MAG, Vera Schmidt Schon bei den Kartoffeln. Wenn man von der Anbaufläche ausgeht, dann liegt der größte Bereich bei dem Getreide.
Wir haben auch circa 1.000 Rinder, davon etwa 500 Milchkühe. So produzieren wir Milch und züchten unsere eigenen Rinder. Geschlachtet wird von Ende September bis Anfang Mai. Dann ist es nicht so warm.
Gerade in der Landwirtschaft sollte man inzwischen mehrere Standbeine haben. Die Konditionen ändern sich ständig. Jedes Erntejahr fällt unterschiedlich aus. So stützen sich die verschiedenen Bereiche gegenseitig.

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Eine Bekannte meinte zu mir, sie achte beim Kartoffelkauf darauf, dass die Kartoffeln nicht gewaschen sind. Was bewirkt das Waschen von Kartoffeln?

MAG, Vera Schmidt Gewaschene Kartoffeln sind Kundenwunsch und damit auch Händlerwunsch. Aldi würde keine ungewaschene Kartoffeln abnehmen. Egal welcher Lebensmittelhändler, die Kunden wollen gewaschene Kartoffeln. Fakt ist aber, dass ungewaschene Kartoffeln viel länger haltbar sind. Wir würden ungewaschene Kartoffeln anbieten. Das spart Kosten. Doch das wäre im Moment noch vollkommen gegen den Trend. Das könnte in den nächsten Jahren stärker nachgefragt werden. Gerade ältere Kunden, die das noch wissen, fragen oft nach. Aber es ist für uns technisch nicht machbar, eine kleine Menge anders zu behandeln. Im Herbst gibt es eine Sonderaktion für eine begrenzte Zeit, in der ungewaschene Kartoffeln im Angebot sind. Wir würden es uns wünschen, wenn es wiederkäme. Ungewaschene Kartoffeln sind viel umweltbewußter.

Reden alle von nachhaltig, aber Finger schmutzig machen möchte sich auch keiner.

MAG, Vera Schmidt Ja, und dann haben sie den Dreck im Einkaufsbeutel. Das sind dann so Sachen, die möchte der Kunde nicht.

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Die MAG baut konventionell an. Gab es Überlegungen auf bio umzustellen?

MAG, Vera Schmidt Ja, wir das war mal Thema, aber von den Auflagen für uns nicht machbar. Wir arbeiten mit Bio-Bauern zusammen und können Bio-Kartoffeln sortieren und verpacken. Das sind nicht unsere eigenen Kartoffeln. Bereits hier sind die Auflagen streng, die Abfüllung der Bio-Kartoffeln muss in einem anderen Objekt erfolgen damit keine Vermischung stattfinden kann.

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Dann las ich von einer "intensiven bodenschonenden Produktion". Ist das nicht gegensätzlich?

MAG, Vera Schmidt Das hängt sicher mit der Technik zusammen. Früher wurde mit sehr schweren Maschinen und viel öfter als heute geflügt. Da gab es noch so etwas wie Tiefenpflügen. Man vermeidet heute Arbeitsgänge, die nicht unbedingt notwendig sind bzw. versucht mehrere Aufgaben in einem Durchlauf zu erledigen. Durch leichtere Maschinen wird unnötige Bodenverdichtung vermieden.

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Der Hofladen hier in Zeesen ist vergrößert und verschönert worden. Wie ist die Resonanz?

MAG, Vera Schmidt Sehr positiv. Die Kundenanzahl wie auch Umsatz konnte erhöht werden. Wünschenswert wäre noch, dass unser Backsortiment besser angenommen wird. Die Konkurrenz in der Straße ist einfach sehr groß. Dabei ist die Ware vom Bäcker Wolter ganz wunderbar. Wir haben den gleichen Bäcker in Ragow im Hofladen und ganz andere Umsätze. Das liegt am großen Wettbewerb hier.

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Ich muss ehrlich gestehen, mir ist das Backangebot auch nicht präsent. Früher gab es kein Brot und Kuchen hier und Bäcker Wahl gibt es schon eine Weile und Konrad ist einfach sehr präsent.

MAG, Vera Schmidt Dabei ist Bäckerei Wolter ein kleiner Handwerksbetrieb in Kallinchen. Inzwischen wird bereits in der 4. Generation gebacken.

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War das der Grund, warum Sie sich für diesen Bäcker entschieden haben?

MAG, Vera Schmidt Ja, Qualität und Handwerk, das passt zu unserem Hofladen. Wir möchten auch etwas anbieten, was nicht jeder hat, etwas besonderes. Das Bäckerhandwerk ist ein Knochenjob. Immer früh aufstehen, auch am Sonntag. Das ist anstrengend.

Aber in der Landwirtschaft ist das doch genauso?

MAG, Vera Schmidt Bei uns nicht so. Wir können durch unsere Größe die Aufgaben verteilen. Aber die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe sind oft nicht zu beneiden. Bei Milchkühen muss man früh melken, abends melken. Immer.

Bauernromantik, das ist ein Stadtphänomen und hat wenig mit dem Alltag auf einem Hof zu tun.

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Wenn Sie mit Ihren Kühen Milch produzieren, wohin geht diese?

MAG, Vera Schmidt Das ist eine große Molkerei.

Ach schade, da kann man nicht sagen, das ist unsere Milch.

Was wir machen wollten, aber durch die deutschen Vorschriften war es uns bisher nicht möglich, eine Milchtankstelle bei unserem Hofladen in Ragow aufstellen. So eine Tankstelle darf man nur an der Stelle der Produktion, also am Stall, aufstellen. Unser Stall ist hinten, da kommt doch keiner hin. Das hätten wir sehr gerne gemacht.

Vom Stall bis zum Hofladen sind es keine drei Kilometer.

Das hätte mir gefallen. Es gibt zwei Milchtankstellen nördlich von Berlin und eine Richtung Sachsen. Aber hier - nichts.

Für uns war das ein zu großes Risiko, eine Milchtankstelle da hinten am Stall. Beim Hofladen in Ragow oder hier in Zeesen, sofort.

Im Hofladen bieten Sie neben den eigenen Produkte auch Obst, Gemüse, Säfte, Milchwaren und vieles andere an.

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MAG, Vera Schmidt Wir erleben eine stärkere Nachfrage nach regionalen Waren. Manchmal sprechen wir regionale Hersteller an, manchmal werden wir angesprochen.
Neben den Kartoffeln und Zwiebeln können wir Gemüse selber kaum anbieten, Rote Bete oder Möhren, die Technik dafür ist sehr teuer.

Und Handarbeit ist noch teurer?

Für Handarbeit würden Sie heute gar keinen mehr finden.

Jemanden zu finden der das kann?

Eher jemanden zu finden, der das macht. Denken Sie an die Spargelsaison. Zum Spargelstechen kommen Helfer aus Polen. Zu LPG-Zeiten gab es ein breiteres Angebot: Erdbeeren, Gemüse, auch Spargel, das wurde meist von älteren Frauen gepflegt und geernetet. Das war schwere körperliche Arbeit.
Nach der Wende wurden wir in den ersten Jahren viele eigene Sachen nicht mehr los. Die Technik wurde abgeschafft. Diese neu anzuschaffen, wäre heute sehr teuer. Wir sind offen für neue Gemüsekulturen. Aber wir müssen natürlich rechnen, ob sich der Anbau lohnt.

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Vielen herzlichen Gedank an Vera Schmidt von der Märkischen Agrargenossenschaft für dieses informative Gespräch.
 
Kontakte
Märkische Agrargenossenschaft e.G.


Loickstr. 7D
15749 Mittenwalde

Telefon 033 764 / 203 28 oder 033 764 / 203 29

Internet www.magmittenwalde.de
 
Hofladen in Ragow
Gartenstraße 2a
15749 Mittenwalde

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 7 - 18 Uhr
Samstag 7 - 12 Uhr
 
Hofladen in Zeesen
Karl-Liebknecht-Str. 120 - 122
15711 Zeesen

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 7 - 17 Uhr
Samstag 7 - 12 Uhr


 
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