Die Touristeninformation in Königs Wusterhausen, ein Gespräch mit Juliane Frank, 27.02.2015

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Juliane Frank lernten wir vor und während der Grünen Woche kennen. Um einen genaueren Einblick in die Arbeit der Touristeninformation KW zu erhalten, trafen wir uns im schönen Bahnhofsgebäude in Königs Wusterhausen.

brausezimt Frau Frank, wie sind Sie zum Tourismus gekommen?

Juliane Frank Das war schon als Jugendliche eine Leidenschaft von mir - zu Schauen wo sich was befindet und welchen Berg es dort in der Nähe gibt. Ich bin mit einem Globus und Atlas groß geworden. Dieses Interesse habe ich immer noch. Fremde Kulturen und Landschaften, das interessiert mich sehr.

Mein Kinderbuch war der Atlas

Ich bin über die "Grüne Seite" zum Tourismus gelangt, über die Geografie und Umwelt. Ich studierte Nachhaltigen Tourismus in Eberswalde. Danach ging ich für drei Jahre nach Rheinland-Pfalz in den Stadttourismus. Das war eine gute Erfahrung. Als sich 2011 die Arbeitsstelle hier in Königs Wusterhausen ergab, bin ich gerne wieder in die Heimat. Hier bin ich aufgewachsen und verwurzelt.

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Welche Unterschiede haben Sie in den Tourismusinformationen erlebt?

Juliane Frank In Rheinland-Pfalz wird mehr Geld für den Tourismus zur Verfügung gestellt. Es herrscht dort ein stärkeres Bewußtsein für die Region. Das Rheintal, die Mosel - Tourismus hat dort eine längere Tradition.

Welchen Aufgabenbereich haben Sie hier?

Juliane Frank Der Verband kümmert sich um den Tourismus im Dahme-Seenland südlich von Berlin. Dazu zählt Marketing, Infrastruktur und Qualitätsmanagement. Wir betreiben die Touristeninformation im Bahnhof für die Region, aber auch als Stadtinformation für Königs Wusterhausen.
Ich bin hier für das klassische Marketing zuständig, für Messen, das Onlinemarketing bis zu Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Alles was für die Außendarstellung und Vermarktung unserer Region wichtig ist. Wobei Messen insgesamt für uns an Bedeutung verloren haben. Dafür stecken wir jetzt mehr Energie in den Online Bereich.

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Dieses Jahr beginnt die Buga im Havelland. Mit dem Thema Flusslandschaften in Brandenburg sind wir mit einer kleinen online Präsenz über die Dahme ebenfalls vertreten. Das ist vielleicht keine so große Flusslandschaft wie die Elbe...

...aber wunderschön.

Genau und recht lang ist die Dahme auch. Sie durchzieht unsere ganze Region mit der Anknüpfung an den Spreewald.
Unsere eigene Webpage wird gerade überarbeitet. Wir haben viele Inhalte, die ansprechend untergebracht werden müssen. Besucher sollen finden was sie suchen. Obwohl unsere jetzige Seite in ihrem Design recht alt ist, bemerken wir steigende Zugriffsraten. Gefragt sind aktuelle Veranstaltungen, genauso wie Tipps für das Wochenende, Fahrradtouren oder Wanderwege. Es wird gerne schnell mal im Internet nachgesehen. Da müssen wir mit der Zeit gehen und unsere Seite entsprechend pflegen.

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Die Tourismusinformation ist auch Anlaufpunkt für Tickets. Manchmal komme ich angerannt und brauche ganz schnell eine Fahrkarte für die S-Bahn. Da flitze ich in die Tourismusinfo.

Ja, manchmal muss es ganz schnell gehen. In der Tourismusinfo sind neben den Ausflugszielen noch ganz andere Themen wichtig wie die VBB-Tickets, die wir verkaufen. Darüber tragen wir uns ein Stückweit. Ebenfalls über den Verkauf von Souveniers, Karten und Büchern.

Wir vermitteln auch Unterkünfte. Das ist in Zeiten von verschiedenen Online Buchungsportalen zurückgegangen, aber es gibt immer noch die Besucher, die am späten Nachmittag bei uns aufschlagen "Wir sind jetzt 70 km mit dem Rad gefahren, wo können wir schlafen?"

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Angenommen Berliner Tagestouristen stehen vor Ihnen und wollen Ausflugstipps, was empfehlen Sie?

Das haben wir oft. Im Sommer kommen häufig Berliner mit der S-Bahn und Rad hier an und fragen: "In Brandenburg gibt es doch so viele Seen, wo kann ich hier baden?" Dann erkundigen wir uns nach weiteren Interessen, ist das eine Familie mit kleinen Kindern, die können wir nach Neue Mühle oder Zeesen ins Strandbad schicken. Das ist relativ dicht an der S-Bahn und nicht so weit zu fahren. Dort gibt es Toiletten, Rutsche und Kiosk. Oder ist es jemand, der seine Ruhe haben möchte und die "kleinste, geheime Badestelle" sucht.

Manche wollen einfach eine kleine Runde wandern. Andere kommen mit konkreten Vorstellungen, haben vom Dahmeradweg gehört oder dem Hofjagdweg und wollen diese jetzt erkunden. Wie kommen ich dahin oder kann ich mir noch ein Fahrrad ausleihen.

Jetzt im Winter steigt die Nachfrage eher nach dem Schloss: wie gelangen wir dort hin, hat es offen, gibt es Führungen und wo kann man danach eine Tasse Kaffee trinken?

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Das ist immer meine Frage, wenn ich irgendwo Urlaub mache, wo gibt es guten Kaffee und selbstgebackenen Kuchen.

Das können Sie hier in KW am Stadtbrunnen beim Café Ice&Art finden. Das Café ist nach der Winterpause wieder geöffnet. Dort gibt es Kuchen aus der Naturbäckerei. Es ist immer ein unterschiedliches Angebot. Gestern war ich dort und Frau Bergzog war ganz erstaunt "Es ist alles weg. Es war so schönes Wetter..." Das kann passieren, aber es gibt ja auch selbstgemachtes Eis dort. Da kann man wirklich hingehen.

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Ansonsten gefällt mir das Jagdschloss 1896, dort gibt es einen schönen Biergarten. Man kann draußen sitzen mit Blick auf das Wasser. Den Weinladen empfehle ich auch gerne für Abends. Im Sommer kann man draußen ebenfalls wunderbar am Nottekanal sitzen und im Winter drinnen am Kamin.

Am Schloss gibt es die Zuckerbäckerei. Vielleicht haben Sie es gelesen, es gab leider einen vernichtenden Artikel in dem Berliner Tagesspiegel, ausgerechnet am Sonntag im Reiseteil.

Oh nein, was ist passiert?

Der Journalist Stefan Berkholz schrieb über einen Sonntagsausflug nach Königs Wusterhausen. Es ging so einiges schief. Jedoch informierte es sich auf dem Hauptstadtportal. Diese Seite wird vom Berliner Senat verwaltet und enthält wohl auch veraltete Informationen unter anderem über einen Wanderweg, den es gar nicht gibt. Den er dementsprechend nicht finden konnte. Es wäre gut gewesen, wenn er sich vor Ort bei uns informiert hätte.

Wenn der Journalist sich auf diesem Weg informiert hat, werden es nicht viele ebenso tun?

Ja, das ist zu befürchten, dass viele unsere Auskunftsmöglichkeiten nicht kennen und wenn unsere Website in Suchmaschinen nicht gleich vorne auftaucht, dann ist das sehr ungünstig. Im Artikel wird zudem ein schlechter Service beschrieben. Da sieht man wie eine unfreundliche Bedienung einen ganzen Tag zunichte machen kann. Hier mussten wir uns als Touristeninformation einiges anhören.

Da machen Sie sich Gedanken, um Dinge, die Sie doch gar nicht beieinflussen können.

Wir können Anregungen geben, aber keinen direkten Einfluss auf die Dienstleister nehmen. Wenn die Selbstbedienung nicht gleich erkennbar ist, dann könnte man kleine Schilder mit einem entsprechenden Hinweis auf den Tischen platzieren. Als Tourismusinformation vermarkten wir was es hier vor Ort gibt. Aber wir können mit den Anbietern sprechen, verschiedene Veranstaltungen anregen oder Ideen geben.

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Dabei gibt es so schöne Sachen bei uns...

Natürlich. Und diese vermarkten wir. Es werden immer mehr Insiderinformationen erwartet. Tipps, die nicht im Katalog stehen. Maßgeschneiderte Informationen. Zum einen kommt es darauf an, wo die Gäste untergebracht sind, um ihren Aktionskreis einzuschätzen. Für Familien mit schon etwas größeren Kindern, die gerne Radfahren, empfehle ich unsere Tour "Pack die Badehose ein."

Das hört sich gut an.

Die ist hier kurz beschrieben und in einer Karte eingezeichnet. Es ist eine Rundtour mit etwa 35 km, das schafft man gut als Familie oder teilt die Strecke für zwei Tagesausflüge ein. Man kommt an 10 Seen vorbei in denen man baden kann. Gerade für Kinder ist ein Abstecher nach Gräbendorf zum Haus des Waldes interessant. Selbst wenn gerade keine Veranstaltung stattfindet, kommt man auf das Gelände und kann den Hirschkäferpfad ansehen. Der Kiez Frauensee befindet sich ebenfalls in der Nähe mit einem kleinen Streichelzoo. In KW haben wir als Abschluss sozusagen den schönen Wasserspielplatz am Nottekanal. So steht bei dieser Tour das Baden im Vordergrund.

Für Technikinteressierte gibt es auf dem Funkerberg das Funkermuseum. Die Ausstellung ist sehr umfangreich. Daneben kann man auf den Turm eine schöne Aussicht auf Königs Wusterhausen genießen.

Wandertechnisch finde ich die Gegend um Köthen ganz toll. Südlich von Köthen sind die Märchenseen. Viele kleine Seen, die im Wald liegen. Da kann man super wandern. Dort auf dem Wehlaberg steht ein Turm mit einem fantastischen Ausblick. Man sieht die Tropical Island-Halle und bei guten Wetter kann man sogar den Berliner Fernsehturm sehen. Und man ist mitten in der Natur.

Kann man dort Essen gehen?

In Köthen gibt es zwei Gaststätten und in Märkisch Buchholz auch.

Das finde ich manchmal schwierig, da gibt es tolle Ausflugsziele und keine Möglichkeit der Einkehr.

Dafür ist Brandenburg ja ein bisschen bekannt - "nimm dir was zu Essen mit..." Man muss vorher recherchieren, was gibt es, was hat offen.

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Hofladen in Münchehofe

Wer einfach aufs Geratewohl loszieht, sollte eventuell Verpflegung mitnehmen. Dort unten ist ja auch Münchehofe mit dem Hofladen. Dort gibt es einen Imbiss oder die berühmten Pfannkuchen.

Die sind riesig, ich brauchte zwei Kaffee.

Ja und die schmecken super. Ich habe gehört, dass manche nur wegen den Pfannkuchen nach Münchehofe fahren.

Was auch immer wieder schön ist, sind Bootsfahrten. Entweder aktiv zum Ausleihen hier direkt in KW an der Schleuse oder gemütlich auf einer Rundfahrt ab Teupitz.

Vielen herzlichen Dank an Juliane Frank für diese ausführlichen Informationen.
 
Kontakt
Tourismusverband Dahme-Seen e.V.

Bahnhofsvorplatz 5
15711 Königs Wusterhausen

Telefon 033 75 / 2 52 00 und  25 20 19
Email info_at_dahme-seen.de

Internet www.dahme-seen.de
 
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