Die Gläserne Molkerei in Münchehofe - Milch und Käse aus Brandenburg, 06.02.2015

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Die Gläserne Molkerei Münchehofe liegt idyllisch versteckt im Brandenburger Land. Hierher kommt, wer vorher gesucht hat. Und wer eine Führung buchte, kann sich den Bio-Betrieb genauer ansehen.

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Bio-Milch und Käse aus Brandenburg

Mit Blick von oben auf die Produktion geht der Besuchergang an den verschiedenen Produktionsstätten vorbei.
Wer meint in einer Molkerei werden Kühe gemolken, irrt. In einer Molkerei, auch Meierei genannt, wird die Milch vom Bauern verarbeitet. Ein Teil der Milch bleibt Milch und wird abgefüllt. Hier gibt es einige Variationen: Vollmilch, fettreduziert, erhitzt, homogenisiert oder nicht. Ein anderer Teil der Milch dient als Rohstoff für Butter und Käse.


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Theresa Dühn traf ich auf der Grünen Woche und wir verabredeten uns in Münchehofe.

brausezimt Kann man den Unterschied zwischen Bio-Milch und konventioneller Milch schmecken?

Theresa Dühn Ja. Wir haben hier im Haus Verkostungen. Die Milch, die auf Bio umgestellt wird, schmeckt anders als die richtige Biomilch. Die Heumilch schmeckt auch noch mal anders.

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Ich merke das irgendwie nicht.

Theresa Dühn Das liegt wahrscheinlich daran, dass Du eine Biomilch und eine Heumilch nicht gleichzeitig öffnest und nebeneinander verkostest. Im Vergleich schmeckt man die Nuancen. Und was man auch rausschmeckst, ist die Verarbeitung. Eine H-Milch schmeckt einfach anders als eine Frischmilch.

Molkereien werden immer größer, auch hier in Deutschland. Wie schätzt Du diese Tendenz ein?

Theresa Dühn Für mich ist es wichtiger, egal ob ein großer Konzern oder eine kleine Molkerei dahinter steht, dass die Anfahrtswege klein sind. Das Einzugsgebiet sollte nicht von Bayern bis an die Küste reichen. Wir als Bio-Molkerei sind schon recht groß mit unseren 120 Landwirten. Trotzdem kann man um jeden unserer Standorte einen 200 km-Radius ziehen.

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Wo hast Du gearbeitet, bevor Du nach Münchehofe gekommen bist?

Theresa Dühn Da war ich gar nicht weit entfernt im Tropical Island als Pressereferentin angestellt. Mein Schwerpunkt liegt in der Öffentlichkeitsarbeit und im Marketing. Seit zweieinhalb Jahren bin ich jetzt in Münchehofe. Angefangen habe ich als Vollzeitkraft. Dann wollte ich einen regionalen Landmarkt in Berlin ins Leben rufen.

Der Markt, ja! Erzähle bitte, wie kam das?

Theresa Dühn Meine Leidenschaft für Ernährung währt länger als ich in der Gläsernen Molkerei bin. Das Brandenburger Herz schlägt auch in mir, ich komme aus der Lausitz. Ich finde es wert- und sinnvoll zu wissen, woher stammen meine Lebensmittel - bestenfalls sogar mit demjenigen sprechen zu können, der das Gemüse geerntet oder den Honig selbst hergestellt hat. Das kann nur auf einem Markt stattfinden. Kommunikation ist wichtig. Dazu kam, dass ich in Neukölln an einem Platz wohne, der früher auch mal Marktplatz war. Doch seit Jahren passiert dort nichts. Ich schaute von meinem Balkon runter und dachte, der Ort ist ideal, warum macht hier keiner was. Dann mach ich es einfach selber.

Anfang letzten Jahres begann ich diesen Markt vorzubereiten. Dafür habe ich meine Arbeit in der Molkerei runtergestuft. Und dann wurde die DICKE LINDA geboren.

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Die DICKE LINDA

Wann fand der erste Markt statt?

Im Juli 2014. Genau: Juli, August, September jeweils der letzte Samstag im Monat. Das war auch ein Test, ob Neukölln dafür bereit ist vielleicht ein paar Cent mehr für gute Produkte auszugeben.

Die Reaktion auf Facebook war toll.

Es ist super gelaufen. Ich war überwältigt von dieser Resonanz. Das hätte ich niemals gedacht. Natürlich habe ich auch Pressearbeit gemacht. So wurde der Markt relativ schnell bekannt und gut besucht. Es kamen nicht nur die Foodies aus Berlin, sondern auch die Nachbarschaft. Die Menschen um den Kranoldplatz haben sich, teilweise seit Jahren, endlich wieder unterhalten und sind sich näher gekommen. Es war toll zu sehen.
Dieses Jahr geht die DICKE LINDA ab Ostersamstag los und findet jeweils den ersten und dritten Samstag im Monat statt bis Oktober.

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Wer kann beim Markt mitmachen?

Alle regionalen Erzeuger und Hersteller, Landwirte genauso wie Produzenten von handgemachten Sachen. Bei den Lebensmitteln ist es wichtig, dass diese auch tatsächlich aus Brandenburg stammen. Der Fokus liegt dabei nicht auf Bio, sondern auf Regionalität. Die Teilnehmer der Dicken Linda stehen auf der Website. Mittlerweile ist es schon ein Händeringen um manche Angebote. Durch das starke Marktaufleben in Berlin sind manche Erzeuger inzwischen ausgebucht.

Dieses Jahr gibt es zum ersten Mal Street Food auf dem Markt zu essen. Das wurde nachgefragt und trägt zum Verweilen bei. Und da habe ich die Regelung getroffen, dass mindestens 51% der Zutaten aus Berlin oder Brandenburg stammen müssen.

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Wie regional ist Dein Konsum?

Ich achte sehr darauf. Besonders bei Gemüse und Obst schaue ich, dass ich regional einkaufe. Das ist ja gleichzeitig saisonal. Natürlich gönne ich mir auch mal eine Apfelsine aus Spanien, so asketisch lebe ich nicht. Meine Sachen hole ich meistens bei uns im Molkerei Hofladen.

Was ist dir gesellschaftlich oder politisch wichtig?

Dass die kleinbäuerliche Landwirtschaft gestärkt wird, wofür auch die "Wir haben es satt"-Demo steht. Es geht nicht nur darum kleine, bereits existierende Betriebe zu unterstützen, sondern diese Strukturen auszubauen und zu fördern.
Dass uns das kleine Handwerk und uns der Bezug zu Nahrungsmitteln nicht verloren geht, liegt mir sehr am Herzen.

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[Während der Führung in der Molkerei Münchehofe können Kinder in kleinen Bechern mit Sahne diese solange schütteln bis Butter entsteht.]

Wenn du Pressearbeit machst, dann weißt du ja wie man auch kleinen Betrieben Aufmerksamkeit verschaffen kann. Das wissen viele nicht.

Ja, gerade die Höfe, die ich für die DICKE LINDA angesprochen habe, bräuchten in dieser Hinsicht Unterstützung. Sie wissen oft gar nicht welches Potential sie besitzen. Die Nachfrage ist ja da. Das spürt man gerade in der Hauptstadt. Die Leute entwickeln ein Bewusstsein für regionale Sachen, auch in Richtung solidarische Landwirtschaft. Die Höfe brauchen Zuspruch, das sich ihre Produkte wieder lohnen. Es haben viele schon so lange gekämpft. Hier bräuchten sie Unterstützung.

Das ist schwierig. Wenn man jeden morgen raus muss, Kühe melken, Hof in Schuss halten, Tiere versorgen, wann will man Pressearbeit erledigen?

Da bleibt gar keine Zeit die Werbetrommel zu rühren. Das ist nachvollziehbar und schade zugleich.

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In Großstädten, vor allem in Berlin, gibt es immer mehr Veganer. Wie begegnest du diesen Menschen?

Der Vegantrend widerspricht sich etwas mit meinem persönlichen Ansinnen der Regionalität. Viele vegane Lebensmittel enthalten Soja, welches teilweise aus Asien oder Südamerika geholt wurde. Es gibt inzwischen Projekte, die den regionalen Sojaanbau fördern, was ich gut finde. Doch Palmöl und vieles andere hat weite Wege hinter sich. Das und die oft hohe Verarbeitung veganer Lebensmittel finde ich schwierig. Wer sich vegan und regional ernähren will, der braucht ganzjährige Bezugsquellen, ein gutes Rezeptbuch und absolute Überzeugung, davor höchsten Respekt.

Konventionelle Bauern füttern zum Teil auch mit Soja aus Südamerika, dabei kann man mit der Lupine arbeiten. Viele Bio-Bauern der Gläsernen Molkerei tun dies erfolgreich. Gerade in der ökologischen Landwirtschaft wird oft auf den Hofkreislauf gesetzt, vor allem Demeter verlangt dies. Hier wächst das, was die Kuh später frisst auf den eigenen Äckern. Und gleichzeitig produzieren die Hoftiere reichhaltigen, natürlichen Dünger, damit auf dem Feld auch der Ertrag stimmt.

Vielen lieben Dank für das Gespräch. Wir werden auf jeden Fall zum Markt der DICKEN LINDA vorbeischauen.

Kleinere Bio-Molkereien in Brandenburg sind zum einen die mit hofeigener Schau-Meierei im Ökodorf Brodowin und zum anderen die Lobetaler Molkerei.

 
Adresse
Gläserne Molkerei Müchehofe

Molkereistraße 1
15748 Münchehofe

Telefon 033 760 / 20 77 0

Internet www.glaeserne-meierei.de

 
DIE DICKE LINDA
Landmarkt auf dem Kranoldplatz
Theresa Dühn

Kranoldplatz 5
12051 Berlin

Telefon 0157 / 77 864 381
Email hallo_at_dicke-linda-markt.de

Internet www.dicke-linda-markt.de

Markttage
Ab Ostern 2015 jeden ersten und dritten Samstag im Monat.
 
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