Das Müllerhandwerk und die Bockwindmühle Berlin Marzahn, 30.12.2014

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Zwar heißen noch viele Menschen mit Nachnamen Müller, doch der Beruf wird kaum noch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Und das, obwohl Backwaren aus Mehl in großen Mengen konsumiert werden.
 
In Berlin Marzahn gibt es eine Bockwindmühle und hier arbeitet Müller Jürgen Wolf. Er lässt nicht nur Getreide zu Mehl mahlen, sondern zeigt angemeldeten Gruppen die Mühle, berichtet über das Müllerhandwerk und ist mit dabei, wenn es um lichterfrohe Veranstaltungen geht.
 
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Foto: Archiv Wolf
brausezimt Worauf kann ich als Kunde beim Mehleinkauf achten?
 
Jürgen Wolf Achten Sie darauf, wo das Mehl herkommt. Dann sollte es nicht unter einem Euro kosten. Einfach, um dem Produkt einen Wert zuzuweisen. Die No-name-Billigmehle sind gegenüber der Arbeit des Landwirtes und des Müllers nicht tragbar. Es gibt auch Qualitätsunterschiede, die sich im Backverhalten bemerkbar machen können.
 
Was halten Sie von industriellen Mühlen?
 
Jürgen Wolf Industrielle Mühlen arbeiten rund um die Uhr und mahlen in einer Quantität, die im Handwerk nicht möglich ist. Dennoch hat Mehl, auch das industriell hergestellte, grundsätzlich eine gute Qualität und ist das skandalfreieste Lebensmittel. Mit dem Trinkwasser gehört Mehl zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln. Von einem Mehlskandal habe ich noch nie gehört.
 
Berlin war mal Mühlenbaustadt. Das ist untergegangen, die besten Fachleute sind in andere, interessantere Bereiche abgewandert. AEG Siemens, Elektromaschinenbau, das hat doch Berlin groß gemacht. Diese Produktion, die wir hatten. Und jetzt haben wir wenig davon.
 
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Woher kommt Ihr Getreide?
 
Jürgen Wolf Das Getreide beziehen wir gereinigt von der Bohlsener Mühle. Den aufwendigen Reinigungsschritt können wir hier nicht leisten. Unser Mehl ist immer bio und so können wir die Vollkornbäckerei der Ufa-Fabrik in Berlin Tempelhof beliefern. Aus dem Roggenmehl wird z.B. die Marzahner Mühlenkruste gebacken.
 
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Fotos Eike Kreibohm
Wieviel kg Getreide können Sie pro Arbeitsgang verarbeiten?
 
Jürgen Wolf Pro Mahlgang sind es etwa 300 – 500 kg. Die Tagesleistung der Mühle liegt bei einer Tonne [24 Stunden]. Seit 2014 erzeugen wir zusätzlich elektrischen Strom mit unserer Mühle.
 
Wie kamen Sie auf den Müllerberuf und warum arbeiten Sie hier in Marzahn?
 
Jürgen Wolf Ich komme aus einer alten Müllersfamilie aus Sachsen. Dem Handwerk wollte ich treu bleiben und konnte vor 21 Jahren hier in Marzahn beginnen. Mein Ziel ist es den Beruf des Müllers pädagogisch aufzubereiten. Ich stehe nicht für Träume an die Vergangenheit. Ich stehe für Bildungsarbeit an der Jugend. Technikbegeisterung fängt im Kindergarten an. Gerade hier in der Großstadt gibt es viele, die wollen Verwalter werden, Büroarbeiter. Handwerkliche Berufe werden zum Teil als sozialer Abstieg empfunden, das kann nicht sein und ist wirklich ein Problem. Die Wertschätzung der Arbeit, gerade der körperlichen Arbeit, fehlt. Aber wir können doch nicht alle in kreativen Berufen tätig werden.
 
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Fotos: Archiv Wolf
Wie erkenne ich ein gutes Mehl?
 
Jürgen Wolf Als Endkunde kann man optisch ein handwerkliches nicht von einem industriellen Mehl unterscheiden. Erst beim Backen werden die besonders guten Eigenschaften erkennbar. Doch ein jeder kann beim Einkauf schauen, wo das Mehl gemahlen wurde und sich fragen, ob man dem Handwerk Respekt entgegen bringt und dafür einen angemessenen Preis zahlt.
 
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Foto Eike Kreibohm

Zum Mühlenjubiläum wurde die Bockwindmühle beleuchtet. Auch zu anderen festlichen Anlässen im Dorf Marzahn wird die Mühle miteinbezogen.
 
In der Bockwindmühle darf auch geheiratet werden. Ein ungewöhnlicher Ort, der gerne gebucht wird.

 
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Foto Kai-Uwe Wilke
 
Übrigens, wer sich die Mühle anschauen möchte, braucht einen vereinbarten Termin. Die Öffnungszeiten dienen der Orientierung, wann eine Führung grundsätzlich möglich wäre.
 
Vielen herzlichen Dank an Herrn Wolf für das Gespräch und die schönen Fotos. Übrigens, der Müller grüßt mit „Glück zu“.


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Foto Klaus Teßmann
 

Adresse
Müllerhaus
Jürgen Wolf


Alt-Marzahn 63
12685  Berlin

Telefon 030 / 54 58 995 
Mobil 0176 / 2810 730 54

Email muehlenwolf_at_gmx.net

Internet www.marzahner-muehle.de
 
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