Wieso Etiketten mit einer Nährwerttabelle zuversehen sind, 01.10.2014

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Die Nährwerttabelle wurde von den Verbraucherzentralen (VZ) gefordert, sie ist da bzw. kommt noch. Die Übergangsfrist läuft bei den meisten Produkten 2016 ab. Während die VZ diesen Erfolg feiert und die großen Hersteller keine Probleme mit der Darstellung an sich haben, zerbreche ich mir den Kopf wie ich erstens die Nährwerte herausbekomme, wieviel das kosten wird und zweitens wie ich diese Tabelle auf die Etiketten bekomme.
 
Für kleine Manufakturen ist dies ein schwieriges Thema. Zeit muss aufgebracht werden und zusätzliche Kosten entstehen. Industrielle Hersteller haben ein Büro, meist Anwälte, Designer und Controller – bei Manufakturen und Kleinstunternehmen decken diese Aufgaben ein oder zwei Personen ab.
 
Wir erhielten ein Angebot für die Analyse eines Fruchtaufstrichs in Höhe von 250 Euro netto. Mal unterstellt, wir würden 250 Gläser in zwei Jahren verkaufen, dann müsste jedes Glas vom jetzigen Preis um einen Euro erhöht werden. Für Anbieter, die 250 Gläser und mehr an einem Tag verkaufen, sollte die Umlegung einer Analyse wesentlich günstiger ausfallen. Ach ja, das ist die Analyse einer Sorte, wenn wir unsere vier verschiedenen Fruchtaufstriche durchchecken lassen, sind das 1000 Euro. Wenn wir es bei einem Euro Preissteigerung pro Glas belassen … soweit in die Zukunft kann ich gerade nicht planen.
 
Bei unserem letzten Regio-Markt in Berlin hatten wir eine zufällige Kreation dabei. Insgesamt kochten wir 9 Gläser davon. Ja es war ein Ausprobieren und es schmeckte sehr gut. Das wird ab 2016 nicht mehr möglich sein. Von den 9 Gläsern müssten wir zwei zur Analyse einschicken und bei den restlichen 7 würden pro Glas Analysekosten von 33 Euro brutto anfallen. Dabei hätten wir noch nicht mal unseren Aufwand drin.
 
Förderung von Kreativität und Handwerk stelle ich mir anders vor.
 
Der Konsument ist dumm. Oder wird für unfähig gehalten oder gemacht, ich weiß es nicht. Wer ein Interesse an den Zutaten hat, kann diese im Etikett nachlesen. Obwohl, das ist erstaunlich, dass gar nicht die „mithelfenden“ Stoffe deklariert werden müssen. Wäre das nicht viel interessanter, VZ?

Jedoch, grundsätzlich stehen erstmal die Zutaten in einer Liste. Die Reihenfolge gibt das Größenverhältnis zueinander an. Daraus kann man nicht so viel ablesen, nur starke Verirrungen, wenn ein Produkt komplett anders genannt wird als die Inhaltsstoffe vermuten lassen, Kalbsleberwurst z.B.
Ansonsten erkennt man beim Fruchtaufstrich, der vor lauter Reglementierung nicht mehr Marmelade heißen darf, das Mengeverhältnis von Frucht und Zucker. Wer Gelierzucker verwendet, muss beschreiben welches, z.B. Gelierzucker 1:1 oder 2:1. Das gibt den interessierten Konsumenten einige Anhaltspunkte.
 
Doch jetzt, jetzt wird’s chemisch aufgedröselt, damit jeder Normalbürger auch genau Bescheid weiß. Ungünstig, dass die wenigsten damit etwas anfangen können, ok, eine Unterstellung, doch die Annahme liegt nahe, denn die Verbraucherzentralen fanden die zusätzliche Ampeldeklaration wichtig. Diese würde dann bei dem guten Essen auf grün stehen und bei den weniger vorteilhaften auf gelb, rot wäre halt schlecht.
 
Bin mal gespannt, was passiert, wenn jemand zuviel von den "grünen" Produkten zu sich nimmt. Das macht nämlich auch dick und ist ungesund. Obwohl die Ampel auf grün zeigt. Komisch.

 
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