Radfahren hält fit und verbindet, Begegnungen zwischen Sauer und Dahme, 06.01.2014

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Während der Radwanderungen kann man den Bildungshorizont erweitern, die Naturschönheiten genießen und Kontakte knüpfen.
Letzteres wirkt heilend bei Einsamkeit und gelingt hauptsächlich auf den klassischen Flussradrouten. Der Zufall spielt dabei die entscheidende Rolle. Hier einige Beispiele dafür:
 
Der Fluss Sauer bildet über viele Kilometer die natürliche Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg.



Besonders zahlreich sind unsere Nachbarn in deutschen Supermärkten zu finden. Doch sie feiern auch gern gemeinsam. So geschehen in Metzdorf anlässlich des 25 jährigen Bestehens der Sauer-Fußgängerbrücke. Durch den Nachmittagstrubel durfte ich mein Radel schieben. Der Duft von Kaffee und frisch gebackenem Kuchen nach Landfrauenart umwehte meine Nase. Hier wird Pause gemacht, eine solche Stärkung kommt gerade zur rechten Zeit. Doch die einheimischen Gäste erhalten Speisen und Getränke auf Vorlage einer Wertkarte. So etwas habe ich nicht – und brauche ich auch nicht nachdem das Standpersonal von meiner weiten Anreise erfuhr. Kaffee und Kuchen werden mir an den Platz serviert. Gratis gibt es auch die netten Gespräche dazu – danke dafür ihr Landfrauen aus Metzdorf an der Sauer!
 
Keine vier Stunden später, nach dem Stadtrundgang in Trier, ist Abendbrotzeit.

porta_nigra_in_trier

Das geeignete Plätzchen dafür finde ich am Schiffsanleger von Schmeich an der Mosel, ein rustikaler Rastplatz mit Tisch und Bänken. Leider hinterließen mir die Vornutzer reichlich Unrat in Form von Flaschen, Büchsen und Bechern.
Während ich mir Brot, Belag und Tee schmecken ließ, näherte sich ein Radfahrer. Er gesellte sich zu mir an den Tisch und erkundigte sich angesichts meines gut bepackten Rades nach dem Verlauf meiner Reise. Noch mehr plauderte er über sich selbst, die Ungerechtigkeiten des Lebens und die schlimmen Ossis, die den Hals nach seiner Meinung nicht voll genug bekommen können. Von mir bekam er dafür nur ungläubige Blicke. Allerdings erhielt ich von Peter zum Abschluss einen guten Tipp für einen Schlafplatz drei Kilometer flussabwärts, danke Peter!

radwegetester

Nicht ganz zufällig steuerte ich die Senfmühle von Kleinhettstedt an der Ilm an, um einen guten Bekannten zu treffen. Bereits um neun Uhr in der Früh rollte ich auf den Hof des florierenden Unternehmens, denn sein Macher Friedrich Morgenroth ist ein umtriebiger Mann, kontaktfreudig, freundlich und großzügig.



Doch erstmal konnten wir so ausgiebig miteinander plaudern, weil wir mit einem Alter jenseits der 60 die Pflichten des Lebens erfüllt sehen und uns nun genügend Zeit für die Kür nehmen können. Das war sicher nicht mein letzter Besuch – alles Gute Fritz und vielen Dank für die gemeinsame Zeit.

senfmuehle_in_kleinhettstedt

Mit dem Radfernweg Leipzig-Berlin befinde ich mich nun strikt auf dem Heimatkurs. Meine Gedanken beschäftigen sich mit der Frage Zeltaufbau oder Nachtfahrt. Im Abendrot eines schönen warmen Sommertages verlasse ich Zahna bei Jüterbog. Hinter den letzten Häusern beginnt ein Waldgebiet. Das erreiche ich fast zeitgleich mit einer Wanderin. Ein Rehkitz quert langsamen Schrittes unseren Weg, verharrt für einige Sekunden und entschließt sich dann doch zur Umkehr in den Wald. Diese Begegnung lässt uns den Atem stocken und zu Statuen erstarren. Sie ist aber auch der Auslöser eine außergewöhnliche junge Frau kennen zu lernen.

die_pilgerin_und_der_radwanderer

Während Marinka aus Fribourg in der Schweiz ihren Wanderschritt wieder aufnimmt, zuckle ich mit dem Fahrrad im selben Tempo neben ihr her, löchre sie mit Fragen und überschütte sie im selben Atemzug mit Attributen meiner Hochachtung. Denn die bildende Künstlerin Marinka hat die lange Strecke innerhalb von drei Monaten als Pilgerin allein zurückgelegt. Das letzte Stück bis Berlin schaffte sie in den folgenden Tagen locker. Beim Abschied vereinbarten wir natürlich ein Wiedersehen im Kreise meiner Familie. Die Einladung hat Marinka gern angenommen und mich mit ihrer Riesentour schwer beeindruckt. Ein wenig verrückt muss man da wohl schon sein, auch wenn man wie ich in drei Wochen 2.200 km durch Deutschland und Europa mit dem Fahrrad zurücklegt. Man sieht sich!
 
Radwegetester

 
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